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Wenn ich nur Dich hab

Wenn ich nur Dich hab

Richard Resch
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Richard Resch - Tenor

Über das Album

Auf seinem Debüt-Soloalbum präsentiert der deutsche Tenor Richard Resch eine Auswahl frühbarocker Kantaten und anderer Vokalmusikwerke aus Norddeutschland. Zusammen mit dem Ensemble La Silla erkundet er dieses schöne, aber weniger bekannte Repertoire, darunter zwei Weltersteinspielungen wiederentdeckter Werke von Johann Friedrich Meister und Gottfried Philipp Flor.

Die Musiker des Ensemble La Silla

Franciska Anna Hajdu -Geige I
Uwe Ulbrich - Violine II, Viola
Irene Klein - Viola da Gamba
Liam Byrne - Viola da Gamba
Kit Scotney - Violone
Gianluca Geremia - Theorbe
Sabine Erdmann - Orgel

Musikvideo

Richard Resch in einem wunderschönen Musikvideo zum Titel "Inter Brachia": 

Erschienen am:

Katalognummer: CD-16330

Vollständige Details anzeigen

Mehr Infos zum Album

tracklist

Tracklist von "Wenn ich nur Dich hab"

01. Christian Flor | Inter Brachia Salvatoris mei 6:25
02. Johann Friedrich Meister | Ach Herr, strafe mich nicht* 15:24

Gottfried Philipp Flor | Redet untereinander*
03. I. Aria 2:41
04. II. Recitativo 1:50
05. III. Aria 3:31
06. IV. Recitativo 2:09
07. V. Choral 4:30

08. Dieterich Buxtehude | Herr, wenn ich nur Dich hab 4:10
09. Franz Tunder | An Wasserflüssen Babylon 4:06
10. Friedrich Nicolaus Bruhns | Wein, ach wein jetzt um die Wette 4:59
11. Christian Flor | Es ist gnug 7:25
12. Johann Mattheson | Ach Absalom 7:11
13. Franz Tunder | Ach Herr, lass Deine lieben Engelein 8:37

Total time 73:04
*world premiere recording

Booklet-Text

Herr, wenn ich nur Dich hab

Den Norden Deutschlands und Dänemark verbindet eine reiche und wechselvolle Geschichte, die von gemeinsamem Austausch geprägt ist – ein Kulturraum, der anders als etwa Mitteldeutschland aber immer noch ein relatives Schattendasein fristet - Dem soll mit dieser kleinen Auswahl an Preziosen aus jener „norddeutschen“ Kulturlandschaft des Barock entgegen getreten werden.

Natürlich kennt man ein paar der großen Namen wie Dietrich Buxtehude, einen der wohl berühmtesten und meistgeschätzten Musiker seiner Zeit. Aber im Umfeld dieser musikalischen Größe finden sich einige unbekanntere, aber nicht minder spannende Musikerpersönlichkeiten. Von Kopenhagen über Flensburg, Husum, Lübeck und Lüneburg bis hin zu Hamburg und Hannover finden sich viele eindrückliche Zeugnisse dieses kulturellen Reichtums.

Für diese kleine Reise durch die Region zwischen Nord- und Ostsee findet sich hier eine kleine individuelle Auswahl an Werken, die unter folgendem Leitspruch steht: „Herr, wenn ich nur Dich hab, so frag ich nichts nach Himmel und Erden“.

Die protestantische geistliche Musik der Barockzeit steht im Mittelpunkt und lädt ein zu einem kleinen individuellen Spaziergang durch jene Landschaft zwischen Himmel, Erde und Meer.

Gleich beim ersten Stück, „Inter Brachia Salvatoris mei“ - „In den Armen meines Erlösers (eile ich zu leben und ersehne ich zu sterben)“, zeigt sich eine innige Zuwendung zu Gott und dem Jenseits, die dem Frühbarock so sehr zu eigen ist und durch dessen besondere Instrumentierung wird dessen kontemplative Atmosphäre besonders untermalt. Offiziell Christian Flor, einem in Husum in eine Musikerdynastie hineingeborenen Komponisten zugeschrieben, mehren sich die Zweifel, ob nicht doch Kaspar Förster der Jüngere (1616-1673), ein in der Hansestadt Danzig geborener Musiker, dessen Tätigkeit ihn unter anderem mehrfach nach Kopenhagen und auch in venezianische Dienste führte der Urheber dieses Werkes sein könnte. Nicht zuletzt die Handschriften der berühmten Düben-Sammlung und des Archives in Grimma weisen Försters Initialen auf und verweisen so auf ihn als Komponisten. Sicher zuzuordnen hingegen ist Johann Friedrich Meisters (ca. 1655 - 1697) große Solokantate „Ach Herr, strafe mich nicht in Deinem Zorn“. Im Raum Hannover geboren, zog es Meister nach einer Erstanstellung im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg weiter nach Norden, wo er zuerst in Eutin und schließlich in Flensburg und Glücksburg wirkte. Seine Triosonaten erlangten internationale Bekanntheit und mit dieser Aufnahme folgt nun auch eine Weltersteinspielung seiner nicht minder beachtenswerten vokalen Kompositionskunst.

Mit der Neujahrskantate „Redet untereinander“ rückt eine weitere, vierte Generation der Musikerfamilie Flor, nämlich Christian Flors Sohn Gottfried Philipp Flor (1682-1723), den es neben Lüneburg unter anderem ins Herzogtum Mecklenburg verschlug, in den Focus. Diese Kantate erbittet für das Land und seine Bewohner, insbesondere aber für den Regenten Herzog Karl Leopold, der seinen Regierungssitz in das besungene Dömitz verlegt hatte, ein heilbringendes Jahr und eine prosperierende Zukunft. Von Dömitz geht die Reise nach Lübeck und damit zu einem Dreh- und Angelpunkt der musikalischen Welt der damaligen Zeit: Dieterich Buxtehude (1637-1707). In Helsingborg geboren und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und bewundert, pilgerten viele Musiker zu diesem berühmten Organisten der Lübecker Marienkirche, so auch Johann Sebastian Bach. Bei „Herr, wenn ich nur Dich habe“ handelt es sich um eine seiner bekanntesten Kompositionen, die, ähnlich wie „Inter Brachia“, das positive Grundvertrauen in Gott untermauert, egal, wie schwer die Zeiten sein mögen. Der Choral „An Wasserflüssen Babylon“ hingegen hadert mit dem irdischen Dasein, allegorisch im Topos der babylonischen Gefangenschaft verdichtet. Ursprünglich 1532 erstmals in Straßburg von Martin Dachstein verfasst, trat dieser Choral schnell seinen Siegeszug durch den deutschsprachigen Raum an, wurde unter anderem von Martin Luther in sein Gesangbuch aufgenommen und nicht zuletzt von Franz Tunder (1614-1667) vertont, der damit einen weiteren „Klassiker“ der barocken sakralen Literatur schuf. Tunder, selbst wahrscheinlich in Lübeck geboren und Amtsvorgänger und damit auch Schwiegervater von Buxtehude, führte in Lübeck die bis heute fortlebende Tradition der Abendmusiken ein, welche viele wunderbare Nachahmer in der ganzen Welt gefunden hat. Ein weiteres Lamento folgt mit „Wein, ach wein... meiner beiden Augen Bach“. Diese Arie entstammt der Markuspassion, die gerne dem u.a. in Kopenhagen und Hamburg wirkenden Komponisten Reinhard Keiser (1674-1739) zugeschrieben wird und auch mehrfach von Johann Sebastian Bach zur Aufführung gebracht wurde. Mittlerweile ist die Urheberschaft Keisers umstritten und ein weiterer Name wird ins Spiel gebracht: Friedrich Nicolaus Bruhns (1637-1718). Er selbst schrieb sich zeitlebens eingedeutscht „Brauns“ und leitete, als Direktor der Hamburger Ratsmusik und Canonicus Minor am Hamburger Dom erwiesenermaßen 1707 eine Aufführung der Markuspassion. Er entstammte einer Musikerdynastie aus dem heutigen Schleswig Holstein, die auch seinen Neffen, den heute wesentlich bekannteren Nicolaus Bruhns, hervor brachte.

Christian Flor vertonte mit „Es ist gnug, Herr“ einen alttestamentarischen Text aus dem Buch der Könige, wo sich der Prophet Elias in der Wüste unter einem Ginsterstrauch niederlässt und resigniert zu Gott spricht. Noch ein wenig weiter zurück im Alten Testament geht König Davids Wehklage „Ach Absalom“, in der er den Tod seines Sohnes Absalom beklagt, einfühlsam vertont von Johann Mattheson (1681-1764), einem großen Sänger, Komponisten und Chronisten seiner Zeit, der wiederum in Hamburg wirkte. Mattheson schreibt über Franz Tunder, er habe bei Girolamo Frescobaldi studiert, wobei neuere Forschungen eher davon ausgehen, dass Tunders Vorgänger als Hoforganist Friedrichs III. auf Schloss Gottorf, Johann Heckelauer, Schüler des italienischen Meisters gewesen ist.
Mit „Ach Herr, lass Deine lieben Engelein am letzten Tag die Seele mein in Abrahams Schoß tragen“ schließt dieser Spaziergang durch die norddeutsche Musiklandschaft mit einem der innigsten Werke der Barockliteratur und einer Sternstunde für jeden Musiker und Musikliebhaber. Der belgische Astronom und Musikliebhaber Eric Walter Elst benannte nach Franz Tunder den von ihm entdeckten Asteroiden „(7871) Tunder“.

Als ein weiteres Juwel der Barockmusik darf die virtuose Solokantate „Jauchzet dem Herren alle Welt“ von Nicolaus Bruhns (1665-1697) gelten, die es leider aus Kapazitätsgründen nicht auf diese CD geschafft hat, aber als Bonustrack online vorliegt. Sie ist einer der wenigen erhaltenen Werke Bruhns, der als talentiertester Schüler Buxtehudes gilt. Buxtehude empfahl ihn bereits früh nach Kopenhagen. Bruhns starb bereits im Alter von 31 Jahren als Kirchenmusiker in seinem Geburtsort Husum.

Neben Buxtehude und Bach ist Bruhns wohl einer der prominentesten deutschen Vertreter des „Stylus Phantasticus“ von dem Johann Mattheson meinte: „Der Stylus Phantasticus ist die allerfreieste und ungebundenste Setz-Sing- und Spiel-Art, die man nur erdencken kan, da man bald auf diese bald auf jene Einfälle geräth, da allerhand sonst ungewöhnliche Gänge, versteckte Zierrathen, sinnreiche Drehungen und Verbrämungen hervorgebracht werden, ohne eigentliche Beobachtung des Tacts und Tons; bald hurtig bald zögernd; bald ein- bald vielstimmig; bald auch auf eine kurze Zeit nach dem Tact: ohne Klang-Maasse; doch nicht ohne Absicht zu gefallen, zu übereilen und in Verwunderung zu setzen.“

Ähnlich phantastisch und frei geht es bei der Besetzung dieser hier vorliegenden Werke zu. Einige der Werke sind Weltersteinspielungen, andere sind bereits hinlänglich bekannt und von wunderbaren Kolleg:innen interpretiert worden. Nicht zuletzt die Werke von Buxtehude und Tunder gibt es in eindrucksvollen Aufnahmen mit Sopran, auch „Inter Brachia“ liegt bereits durch einen Altus interpretiert vor. Man kann darüber streiten, für welche Stimmen diese Werke komponiert wurden, aber mit dieser Tenoraufnahme wird dem Strauß an Interpretationen eine weitere Farbe hinzugefügt. Besondere Freiheit nahmen wir uns bei der Arie „Ach Absalom“, die eigentlich für einen hohen Bass geschrieben ist.

Diese Perle der Barockliteratur durfte hier nicht fehlen, denn diese Aufnahme war ein Herzensprojekt und fand im Coronawinter 2021/2022 trotz aller Widrigkeiten mit spontanen Besetzungswechseln wegen Coronainfektionen, Erkältungen, Bandscheibenvorfall, eisigen Temperaturen und anderen Herausforderungen statt.

Es ist eine großartige Ensembleleistung gelungen, für die ich meinen unermüdlichen, geduldigen, flexiblen und stets gut gelaunten Kollegen und Freunden Liam Byrne, Sabine Erdmann, Gianluca Geremia, Franciska Anna Hajdu, Irene Klein, Christopher Scotney und Uwe Ulbrich von ganzem Herzen danken möchte. Ohne Sie wäre es nicht möglich gewesen, dieses Projekt zu verwirklichen. Auch ohne Jonas Niederstadt und Dirk Fischer und deren Know-How, Engagement und Einfühlungsvermögen hielten wir nun nicht dieses kleine musikalische Schatzkästchen in unseren Händen.

Mein weiterer Dank gilt besonders Mark Jost, Elina Albach, Jutta Berr-Resch, Frank Jaeger, Ralf Lützelschwab, Martin Märkl, Milan Markovic, Jakob Rattinger, Michael Sauter und so vielen anderen guten Geistern, die mich seelisch, moralisch und fachlich unterstützt haben und denen ich dafür für sehr verbunden bin.

Richard Resch, Juli 2022

Informationen zur Aufnahme

Recorded January 25-29, 2022

Location: Evangelisch-Lutherische Gemeinde „Zum Heiligen Kreuz“ (Berlin, Germany)
Balance engineer & recording producer: Jonas Niederstadt
Assistant engineer: Dirk Fischer
Corporate Design: Tim+Tim, timandtim.com
Cover photography: Nikolas Hagele
Booklet photography: Jonas Niederstadt

Produced by Jonas Niederstadt

©+℗ 2022 Carpe Diem Records

Presse / Rezensionen