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Sapperlot!

Sapperlot!

Alexander Gergelyfi
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Auf seinem ersten Solo-Album kreiert Alexander Gergelyfi ein unerhört farbenfreudiges und zugleich sinnliches Portrait seines Heimatlandes Österreich. Dargeboten wird exquisite Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf dem wohl ältesten erhaltenen österreichischen Clavichord. Das elegante „Admonter“ Clavichord dient Alexander Gergelyfi als Brücke zu verborgenen Klängen und Gefährte zwischen den Tänzen. Schlicht, ergreifend, aufgeweckt und fein.

Erschienen am:

Katalognummer: CD-16329

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tracklist

Tracklist von "Sapperlot!"

Ferdinand Tobias Richter (*1651 Würzburg, †1711 Wien)
1. Toccatina [d]; A-Wm XIV 743 (Fol. 29r-v) 2:50

Arcangelo Corelli (*1653 Fusignano, †1713 Roma)
2. Ex parthia Corelli, à me pro Org.o et Clavizymbalo accomodata: 1721 / ex Sonata 7.ma
partis 2.dae a V.o Solo. / Cappricio, ò Gvigvetta [d]; MS Privatbesitz 2:44

Paul Peuerl (*1570 Stuttgart, † post 1625 ?)
3. Padouan 2:25
4. Dantz – Nachdantz [ex d]; „NEwe Padouan / Intrada. Däntz vnnd Galliarda / mit vier Stimmen / ein jedlichs nach sei=ner art / auff allen Musicalischen Sai=tenspielen gantz lustig zuge=brauchen. / Componirt. / Durch / Pauln Bäwerl / der zeit bestelten Organisten bey der Euangelischen Kirchen zu Steyer / in Oesterreich ob der Enß.“,
Nürnberg 1611 & A-LIm MS 16, Linzer Orgelcodex A.S.P., 1611-13 1:51

Georg Muffat (*1653 Megève/Savoyen, †1704 Passau)
5. Passacaglia [g]; „APPARATUS / MUSICO-ORGANISTICUS / INVICTISSIMO / LEOPOLDO I. / IMPERATORI […]“, Salzburg 1690 12:14

Franz Mathias Techelmann (*c. 1649 Hof/Südmähren, †1714 Wien)
6. Alamand: dell’Allegrezze alla Liberazione di Vienna. [C]; „Toccate . Canzoni .
Ricercari, et altre / Galanterie per suonare d’organo et / Cembalo. [...]“ A-Wn MS 19167
& A-GÖ HS 477 2 :16

Johann Joseph Fux (*c. 1660 Hirtenfeld bei Graz, †1741 Wien)
7. Harpeggio 2:14
8. [e Fuga] / del Sig:re / Maestra [sic!] Fux [G], E 114; D-B Mus. ms. 30266 1:37
9. Del Sigre Fux: / Menuet IX [g], E 126; A-Wm XIV 705 (Fol. 3v) 1:09

Johann Jacob Froberger (*1616 Stuttgart, †1667 Mömpelgard/Montbéliard)
[Suite XI] [D], FbWV 611, Regensburg 1653; D-Bsa SA 4450
10. Allemande faite sur l’Election et Couronnement de Sa Majesté Ferdinant le Quatrième
Roy des Romains, et se joüe lentement a la discretion. 3:19
11. Courante faite au joür de naissance de la Jeune Princesse Imperiale. 1:19
12. Sarabande faite sur le couronnement de sa Majeste Imperiale l’Imperatrice Eleonore,
née duchesse de Mantoue 0:58
13. Gigue 2:18

Johann Michael Steinbacher (*c. 1700, †c. 1750)
14. Preludè 0:58
15. Capricio [a]; Parthia / Cembalo / Auth: Sig: Johann Michäel Steinbacher;
SI-Pk Ms. mus. 1564:20

Georg Friedrich Händel (*1685 Halle/Saale, †1759 London)
16. Prælude. Händell., HWV Anhang B 607/1 0:47
17. Capricio [C], HWV Anhang B deest; H–Bn Ms. Mus. 749 (S. 144ff.) 3:07

Leopold Mozart (*1719 Augsburg, †1787 Salzburg)
18. Für den Merz. Adagio – Einige Veränderungen des Stückes für den Merz:
1. – 2. – 3. Cantabile – 4. – 5. Gratioso – 6. [F]; „Der Morgen und der Abend /
den Innwohnern / der Hochfürstl. Residenz=Stadt Salzburg / melodisch und harmonisch / angekündigt. / Oder: / Zwölf Musikstücke für das Clavier [...]“, Augsburg 1759 4:40

Anton Ferdinand Paris (*1744 Salzburg, †1809 Salzburg)
19. Auth Paris allô. [F]; A-Ssp Ntb 32 (Fol. 2r-v) 2:37

Joseph Anton Steffan | Josef Antonín Štěpán (*1726 Kopidlno/Böhmen, †1797 Wien)
20. [Preludio] in B.3.za mag: [Bb]; „40 / PRELUDI / PER DIVERSI TVONI / Scritti e dedicati / ALLE ILLVSTRISSIME SIGNORE / SVE SCOLARE / da / Giuseppe Steffan“,
Wien [1762], (S. 9) 1:39

Johann Michael Haydn (*1737 Rohrau, †1806 Salzburg)
21. [Clavierstück] [Eb] Sig: Michaele Haydn, MH 468; A-Ssp Hay 2097 (S. 2f.) 5:07

Wolfgang Amadé Mozart (*1756 Salzburg, †1791 Wien)
22. Allegro molto [C] Del Signore Giovane Wolfgango Mozart,
KV deest, c. 1780; MS Privatbesitz 3:49

Total time 64:31

Booklet-Text

ZUR KLANGGESTALTUNG AUF DEM CLAVICHORD

Für Alexander Gergelyfi und für mich war es eine sehr inspirierende und beglückende Erfahrung, uns damit zu beschäftigen, welche Qualitäten gebraucht werden, um seinem Admonter Clavichord denjenigen Klang zu entlocken, der idealerweise in ihm verborgen schlummert, und zu überlegen, welcher geistige Inhalt den einzelnen Musikstücken zugrunde liegen könnte. Die sensible Überarbeitung des Instrumentes durch Andreas Hermert kurz vor der Aufnahme hat diese Klangprozesse zusätzlich sehr befördert.

Heutzutage wird auf einem Clavichord allzu oft nur etwas zarter, quasi wie auf einem Cembalo gespielt. Nuancenreicher wäre es, sich von dem Farbreichtum leiser historischer Orgelregister inspirieren zu lassen. Um einem Clavichord seine ureigentlichen Klänge zu entlocken, braucht es einen ganz anderen Zugang, der das aktive „Machen“ verlässt und zu einem „Geschehen-Lassen“ übergeht, zu einem größtmöglichen inneren Hören (Aufhören), Vorausfühlen (Achtsamkeit) und Vorausschauen (Vorsicht). Dazu gehört eine tiefe Einsicht in das innere Wesen der Musik, eine meditative Versenkung nach innen, eine quasi „nächtliche Stille“, aus der heraus etwas feineres Neues geboren werden kann. Das wesentlich Musikalische geschieht zwischen den Tönen. Die Intervall-Erlebnisse und eine differenzierte innergestische Erfüllung der Pausen öffnen erst die inneren Sinne für die eigentliche musikalische „Bewegung“.

Man verlässt das äußere, ausdrucksvolle Spiel zugunsten einer wesenhaften Vermittlung des innersten Eindrucks, der dieser Musik zugrunde liegt, indem man nicht von innen nach „außen“ (Ausdruck), sondern vielmehr von außen nach „innen“ (Eindruck) spielt. So ist auch ein intimer Zugang zu dem unbewussten Wissen zu suchen, zu einem Musikerlebnis, von dem Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) am 12. April 1712 an den Mathematiker Christian Goldbach (1690–1764) schrieb, die Musik sei „eine geheime arithmetische Übung der unbewusst zählenden Seele“. Gefragt ist demnach ein hochsensibles Lauschen auf die geheimnisvollen Schwingungen und Schwingungs-Verhältnisse der Töne, denen man beim Spielen Raum gibt und in ihrer harmonischen und melodischen Entwicklung Klang verleiht.

Eine der wichtigen Grundlagen der Musik des 17. und auch noch 18. Jahrhunderts war es, bei aufsteigenden Linien hierarchisch leiser zu werden und bei absteigenden dementsprechend kräftiger. Dies galt ebenso für akkordisch aufgebaute Harmonien oder Arpeggien und entsprach der schon in der Antike vertretenen Erkenntnis, dass ein Ton, je tiefer er geht, desto mehr Materie, Physis und Stärke enthält, und je höher er steigt, Materielles verliert und immer mehr Spirituelles im Sinne von Geist, Liebe und Schönheit gewinnt. Verkürzt lässt sich das so formulieren: „Unten ist Kraft, oben ist Schönheit.“

Martin Heinrich Fuhrmann (1669–1745) definierte die „Music“ 1706 als „ein Præludium der Englischen Freuden in jener Welt / dem Menschen in dieser Welt von GOtt verliehen / ihn dadurch täglich und fleißig allhier zu loben / ihm selbst und dem Nächsten damit recht zu dienen.“ Ein Schlüssel zur Welt der Engel ist ein liebendes Herz. Und so hatte Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791) doch sehr recht, wenn er 1786 schrieb: „Sieh, dein Klavikord athmet ja so sanft, wie dein Herz.“ Das schließt natürlich auch stärkere Affekte in keiner Weise aus, die trotzdem eine innere Führung behalten und in den Rahmen der Klanggrenzen dieses subtilen Instrumentes einzubinden sind.

Mich haben die atemberaubenden Klangerlebnisse während der Aufnahme und die wunderbaren, typisch österreichischen „Clavier“-Kunstwerke und ihre Geisteshaltung, tief berührt.

Prof. Gerhart Darmstadt
Hamburg, am 7. Juli 2022

ZUM INSTRUMENT

Bei dem für diese Aufnahme verwendeten Instrument handelt es sich möglicherweise um das älteste erhaltene österreichische Clavichord. Es ist nicht datiert und nicht signiert, wurde aber vermutlich um das Jahr 1700 gebaut.

Zu seiner Anfertigung wurden ausschließlich einheimische Hölzer verwendet: Kiefer für den Unterboden, die Wände und den Deckel, Fichte für den Resonanzboden, Rotbuche für den Stimmstock und den linken Anhangbalken, Nussbaum für den Steg und Ahorn für die hintere Anhangleiste. Die Tastenhebel sind aus Lindenholz gefertigt, die Obertasten aus Zwetschgenholz, bei den Untertastenbelägen handelt es sich wohl um Eibe, möglicherweise könnte es auch Buchsbaum sein.

Das Instrument ist relativ schlicht gestaltet; außer der Deckelbemalung besitzt es nur noch ein weiteres Dekorationselement: Auf die Innenseiten der Wände und der Vorsatzleiste ist ein fein marmoriertes Papier geleimt. Mit einer Grundfläche von 852 mm x 266 mm ist dieses Clavichord ungewöhnlich klein. Da nur wenig Saiten in solch einem kleinen Gehäuse Platz finden, ist es als gebundenes Clavichord gebaut. Gebunden bedeutet, dass sich zwei benachbarte Tasten, beispielsweise c und cis, die gleiche Saite teilen, diese aber an zwei verschiedenen Stellen anschlagen. Dadurch können diese Töne jedoch nicht zur selben Zeit erklingen.

Das Instrument hat dadurch weniger Saiten, als Tasten vorhanden sind; zudem ist es durchgehend einchörig – mit Messing- und Eisendraht – besaitet. Die Klaviatur umfasst vier Oktaven von C–c3, wobei die Bassoktave als sogenannte kurze gebrochene Oktave ausgeführt ist, was bedeutet, dass die tiefen Halbtöne Cis und Es fehlen; die Töne D und Fis, sowie E und Gis teilen sich jeweils eine gemeinsame, aber halbierte, gleichsam „gespaltene“ bzw. „gebrochene“ Taste.
Das Clavichord ist in einer leicht modifizierten Mitteltönigkeit temperiert; die Stimmtonhöhe wurde, bedingt durch die geringe Größe des Instrumentes, bewusst sehr hoch gewählt: Das eingestrichene f weist eine Frequenz von 434,5 Hertz auf, was einer reinen großen Terz unter dem eingestrichenen a mit 543,1 Hertz entspricht. Historische Tasteninstrumente wurden früher grundsätzlich von c oder f aus gestimmt, nicht wie heute üblich von a. Da die klingende Saitenlänge des eingestrichenen f genau einen Wiener Werkschuh (Fuß) misst, wurde dieses f als Stimmton gewählt; es wurde deshalb für die vorliegende Aufnahme eine entsprechende Stimmgabel angefertigt.

Das Instrument wurde im Jahr 2011 durch Albrecht Czernin in Wien umfassend restauriert; für die vorliegende Aufnahme habe ich es im Dezember 2021 in meiner Werkstatt eingerichtet, wobei vor allem die Besaitung anhand der originalen, auf den Tasten vermerkten Drahtnummern (= Saitendurchmessern) erneuert und die Funktionszuverlässigkeit der Mechanik optimiert wurden.

Erwähnenswert ist der Umstand, dass das Berliner Musikinstrumentenmuseum früher ein baugleiches Clavichord besaß, welches leider im Zweiten Weltkrieg verlorenging (Curt-Sachs-Katalog, Nr. 1); ein weiteres, annähernd baugleiches Clavichord befindet sich im Kunsthistorischen Museum in Wien (KHM/SAM Nr. 817). Aufgrund weitgehend übereinstimmender Baumerkmale des Admonter Clavichordes verglichen mit dem Wiener Instrument und dem verlorenen Berliner Clavichord kann man davon ausgehen, dass alle drei Instrumente aus der gleichen österreichischen Werkstatt stammen.

Andreas Hermert
Berlin-Friedenau, am 7. Juni 2022

Informationen zur Aufnahme

Recorded february 9-13, 2022

Location: Kleiner Festsaal Stift Admont, Styria (Austria)
Balance engineer & recording producer: Jonas Niederstadt
Instrument tuning & maintenance: Andreas Hermert
Musical mentoring: Gerhart Darmstadt
Booklet translation: Alexander Gergelyfi & Dominic Eckersley
Cover art & booklet photography: Flora Bacher
Corporate Design: Tim+Tim, timandtim.com

Produced by Jonas Niederstadt

©+℗ 2022 Carpe Diem Records

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