Zu Produktinformationen springen
1 von 6

Quando cala la notte

Quando cala la notte

Corina Marti
Normaler Preis €21,00
Normaler Preis Verkaufspreis €21,00
Stückpreis €21,00  pro  item
Sale Ausverkauft
Inkl. Steuern. Versand wird beim Checkout berechnet
Format

Corina Marti & Enea Sorini: Liebeslieder und Cembalosolomusik aus der italienischen Renaissance

Dieses Album der Cembalistin Corina Marti zusammen mit dem italienischen Tenor Enea Sorini enthält eine Auswahl von Liedern und Instrumentalstücken aus dem Italien des frühen 16. Jahrhunderts.

Das sanfte und intime Programm enthält Frottole und Intabulationen von Frottole, Ricercari, Tänzen und anderer italienischer Tastenmusik.

Die beiden Musiker schaffen ein eher schattiges und introvertiertes Porträt dieser Musik, durchsetzt mit heiteren Tänzen und herzerwärmenden Liedern. Die Kombination aus dem weichen, silbrigen Klang des Cembalos und dem leichten und flexiblen Tenor von Enea Sorini verleiht dieser Musik eine besonders reizvolle Farbe.

Die Musiker

Corina Marti – Cembalo
Enea Sorini – Tenor

Musikvideo

Corina Marti spielt ein Recercar von ihrem Album "Quando cala la notte":

Erschienen am:

Katalognummer: CD-16308

Vollständige Details anzeigen

Mehr Infos zum Album

tracklist

Tracklist von "Quando cala la notte"

01. Ricercare Julio Segni da Modena 4:05
02. Oimé il cor, oimé la testa Marchetto Cara 4:26
03. Fuggi fuggi cor mio anon., after Philippe Verdelot 2:51
04. La mia vaga tortorella Elias Dupré 1:38
05. Animoso mio desire Andrea Antico, after Bartolomeo Tromboncino 1:43
06. Recerchada anonymous 2:39
07. Pavana - Il saltarello de la pavana - La coda anonymous 2:55
08. Nasce la speme mia da un dolce riso Marchetto Cara 5:47
09. O passi sparsi anon., after Sebastiano Festa 2:44
10. Ripresa anonymous 1:43
11. Tu mi tormenti a torto anonymous 3:58
12. Recerchare Giacomo Fogliano da Modena 3:24
13. Surge da l’orizonte il biondo Appollo Johannes Lulinus Venetus 2:23
14. Alijec Nademna Venus [= De là da l’aqua] Nicolaus Cracoviensis, after Francesco Santa Croce 2:19
15. Deh chi me sa dir novella Michele Pesenti 6:40
16. Madame vous aves mon cuor Marco Antonio Cavazzoni, after anon. 4:57
17. Pavana - Il saltarello de la pavana - La coda anonymous 4:47
18. Recerchada Giacomo Fogliano da Modena 1:59
19. Virgine bella che del sol vestita Andrea Antico, after Bartolomeo Tromboncino 2:29
20. Ecco che, per amarte, a quel ch’io arivo! Bartolomeo Tromboncino 2:24

Booklet-Text

Wenn die Nacht herniedersinkt


Nun da der Himmel die Vögel still werden lässt,
Die Nacht ihren gestirnten Wagen auf seiner Bahn lenkt
Und das Meer in seinem Bette wellenlos ruht,

Wache, denke, brenne, weine ich;
und was mich zerstört, stets ist es da als süsses Weh:
Krieg ist mein Zustand, erfüllt von Zorn und Schmerz,
Und nur im Gedanken an sie finde ich etwas Frieden.

Aus der gleichen lebendig hellen Quelle kommt
Das Süsse und das Bittere, das mich nährt:
Die eine Hand heilt mich und verletzt zugleich.

Und damit meine Qual kein Ende finde, sterbe ich jeden Tag
tausend Tode und werde tausendmal geboren,
So weit bin ich entfernt von meinem Heil.

(Petrarca, Canzoniere, 164)

Die Nacht, welche Rat, Stille und Frieden, aber auch melancholische Zustände und Ängste bringt, war von jeher Inspiration für Dichter, Musiker und Maler. Sie ist der beste Moment für Rückblicke und bietet die Gelegenheit über die Existenz, das Leben und den Tod nachzudenken.

Im Rahmen einer imaginierten Abenddämmerung präsentieren Corina Marti und Enea Sorini in einer Reihe von Frottole des 16. Jahrhunderts eine Meditation über die Themen der Liebe. In Ohimè il cor, ohimè la testa, beklagt sich der Liebende unter zahllosen Seufzern („ohimè“) über die treulose und lügnerische Liebe und sein dummes Herz, das an die Schmeicheleien einer „grossen Schönheit“ und ihrer „mehrdeutigen Rede“ geglaubt hat. La mia vaga tortorella hingegen preist die Schönheit der Geliebten, die wie eine Turteltaube mit ihrem Gesang den Mann verhext. Die unerwiderte Liebe als Quelle des Leidens bildet das Leitmotiv von Tu mi tormenti a torto, während in Ecco che per amarte, a quel ch’io arrivo! die Liebe den Verliebten in einen Schatten seiner selbst verwandelt, der Angst macht. Auch die schalkhafte Liebe fehlt nicht, zum Beispiel in Deh chi mi sa dir novella, wo der Liebende verzweifelt sein hübsches Nönnchen sucht. Schliesslich fühlt sich der Verliebte in Surge da l’orizonte il biondo Apollo bei Sonnenaufgang wie einer, der nach einer ruhigen Nacht, erholt von den Mühen des Vortages, seine täglichen Beschäftigungen aufnimmt, während er sich weiterhin in Liebesglut verzehrt, unfähig gleich den Tieren des Waldes „Freude, Ergötzen und Spiel“ zu finden.

Die Frottola, eine strophische Form, die ihre Blüte im Norden Italiens erlebte, behandelte vorzugsweise Liebesthemen und entstand aus der Praxis, Poesiedeklamation mit improvisierter Musik zu begleiten. Die in Musik gesetzten Texte gehören den verschiedensten Gattungen an, von den Canzoni bis zu den Ballate, Oden, Sonetten, Barzellette, Capitoli und Strambotti. Mehrstimmig komponiert, aber häufig mit einer Singstimme unter Begleitung eins Instrumentes aufgeführt (hauptsächlich Laute, aber auch Gamben oder Cembalo kommen vor), erlebte die Frottola eine grosse Verbreitung dank der Drucke von Ottaviano Petrucci, aus denen die hier präsentierten Vokalsätze (Nrn. 2, 4, 8, 11, 13, 15, 20) stammen. Zwischen den Jahren 1504 und 1514 publizierte Petrucci elf Bände mit Frottolen, die mehrmals neu aufgelegt wurden und auf Grund ihres eher leichten Charakters grossen Erfolg hatten. Bekannte Namen unter den Frottole-Autoren sind Marchetto Cara und Bartolomeo Tromboncino, die zeitgleich als Lautenisten, Sänger und Lehrer am Hofe der Gonzaga tätig waren, Ersterer im Dienste Francescos, der Zweite im Dienste seiner Frau Isabella d’Este. Cara hatte, obwohl er als Musiker von Hof zu Hof reiste, seinen Schwerpunkt in Mantua, während Tromboncino ein bewegteres Leben führte: nach einem Ehrendelikt, der Ermordung seiner Frau, blieb er nicht lange bei den Gonzagas, sondern zog an Lucrezia Borgias Residenzen in Ferrara und Venedig.

Zur gleichen Zeit intabulierte Andrea Antico in Rom Frottolen für Tasteninstrumente, die Frottole intabulate da sonare organi erschienen 1517. Es ist dies der erste Druck mit Orgeltabulaturen in Italien. Das Frontispiz zeigt einen Edelmann am Cembalo. Neben ihm steht eine Dame, die ein Äffchen mit einer Laute verscheucht, das wohl auf Petrucci hinweisen soll, der verschiedene Sammlungen von Lautenmusik gedruckt hatte, oder vielleicht auch einfach ein Hinweis auf die ältere Art von Begleitung ist, die nur für Zirkustiere taugt und weniger „vornehm“ ist als die Orgeltabulatur (was auch erklären würde warum Antico es nicht verschmähte, Material aus den Sammlungen seiner Konkurrenten auszuleihen).

Die Ricercari, Pavane und die Cembalo-Tabulaturen, die in der vorliegenden Aufnahme zwischen den vokalen Frottolen gespielt werden, stammen zum grossen Teil aus dem Manuskript von Castell’Arquato (Nrn. 1, 6, 7, 10, 12, 17, 18), zum kleineren Teil aus dem Manuskript von Johannes von Lublin (Ms. 1716 der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau, Nrn. 3, 4, 19) und aus den beiden Drucken Recerchari, motetti, canzoni von Marco Antonio Cavazzoni (Venezia, Bernardino Vercellese 1523, Nr. 16) und Frottole intabulate von Andrea Antico (Nrn. 5, 19). In Virgine bella von Petrarca wird das Liebesthema in die sakrale Liebe übertragen. In den aus der Vokalmusik stammenden Stücken hingegen dominiert die profane Liebe, so zum Beispiel in O passi sparsi, Animoso mio desire und Madame vous aves mon cuor, einem der Juwelen von Marco Antonio Cavazzoni, von dem uns leider nur eine kleine Anzahl Werke überliefert ist.

Die Frottola verschwand um 1530 und wich der neuen Gattung des Madrigals.

Welcher Tau, welches Weinen,
welche Tränen waren es,
die ich vom nächtlichen Mantel
und vom hellen Antlitz der Sterne fallen sah?
Und warum säte der weisse Mond
Eine reine Wolke kristallener Sterne
In den Schoss des frischen Grases?
Warum hörte man in der dunkeln Luft
Beinahe klagend ringsherum
Die Winde wehen bis zum Tag?
Waren es vielleicht Zeichen Deines Abschieds,
Du Leben von meinem Leben?

(Torquato Tasso, Rime, 324)

Text: Alexandra Nigito

Informationen zur Aufnahme

Recorded January 2015

Location: Schloss Beuggen (Germany)
Balance engineer & musical producer: Jonas Niederstadt
Corporate Design: Tim+Tim, timandtim.com
Cover photography: Matthias Risse
Booklet photography: Jonas Niederstadt
Translations: Andrew Barnett (English), Nicoletta Gossen (German)

Produced by Jonas Niederstadt

Presse / Rezensionen