None but the Brave
None but the Brave
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Katalognummer: CD-16321
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tracklist
Tracklist von "None but the Brave"
01. Dafudd Gareg Wen with Variations by John Parry 3:19
Welsh traditional / variations by John Parry (1710–1782)
02. Gig in the Third Solo of Corelli 2:47
Arcangelo Corelli (1653–1713)
03. Happy Pair, none but the Brave deserves the Fair 3:30
George Frideric Handel (1685–1759)
04. Of noble Race was Shenkin 4:44
Thomas d’Urfey (1653–1723) / variations by John Parry
05. The Fifth of Vivaldi 3:41
Antonio Vivaldi (1678–1741)
06. Allegro 33:07
Anonymous
07. Overture in Rodelinda 3:54
George Frideric Handel
08. Minuet in Rodelinda 4:14
George Frideric Handel / variations by John Parry
09. Rhydlan Marsh 6:59
Welsh traditional / variations by John Parry
10. The Eleventh Solo of Corelli - Allegro 3:23
Arcangelo Corelli
11. The Eleventh Solo of Corelli - Gavot0:52
Arcangelo Corelli
12. Largo 32:29
Anonymous
13. Allegro 32:26
Anonymous
14. Thro’ the Wood Laddie 2/44:06
English traditional / variations by John Parry
15. The Third of Vivaldi 32:33
Antonio Vivaldi
16. Rosline Castle 43:53
Scottish traditional / Anonymous variations
17. See See 34:36
Anonymous
18. Handel’s Water Musick2:06
George Frideric Handel
19. Burton’s Chace 3:56
John Burton (1730–1782)
Total time 66:48
Booklet-Text
Die walisische Harfentradition
Die Harfe ist das walisische Nationalinstrument und zieht seit Jahrhunderten die Zuhörer in ihren Bann. Bereits im ersten Jahrhundert vor Christus ist durch den Schriftsteller Diodorus Siculus (90–30 vor Christus) dokumentiert, dass die Walisen Harfen oder harfenähnliche Instrumente spielten. Aus dem zehnten Jahrhunderten stammt das walisische Recht von Hywel Dda, welches in Schriftstücken aus circa 1250 überliefert ist. Diese Gesetzessammlung beschreibt die Position der Dichter-Harfenisten (Barden) in der höfischen Gesellschaft Wales’ und unterteilt diese in drei Gruppen: den Haus- oder Hofbarden (bardd teulu), den Meisterbarden (pencerdd) und den gewöhnlichen Musiker (cerddor). Giraldus Cambrensis (1141–1220) schreibt in seiner Topographica Hibernica (um 1185) dass die Harfe, zusammen mit der Crwth (einer mit dem Bogen gestrichenen Leier) und den Pipes, das Lieblingsinstrument der Walisen ist und in großer Zahl in allen Schichten der walisischen Gesellschaft gespielt wird. Die bardische Tradition war in höchstem Maße professionalisiert, komplex und reglementiert. Allerdings war sie eine rein mündlich überlieferte Tradition, in der Meisterbarden ihren Schülern in einer langen Lehrzeit ihr Wissen vermittelten. Ab dem zwölften Jahrhunderts wurden Wettbewerbe (Eisteddfodau) organisiert, in denen Musiker und Dichter miteinander konkurrierten und Prüfungen ablegten, um eine höhere Stufe in der bardischen Rangordnung zu erreichen.
Frühe walisische Harfen gab es in verschiedenen Größen, von 23 bis 32 Saiten, welche für die Anfänger im Harfenspiel mit Saiten aus Pferdehaar bespannt waren. Ab dem fünfzehnten Jahrhundert verwendeten die Waliser auch Darmsaiten, obwohl Pferdehaar- und Metallsaiten, eine irische Tradition, zeitgleich Verwendung fanden. Im Gegensatz zum restlichen Europa spielen die Waliser die Harfe auf der linken Schulter: die linke Hand spielt die Melodien im Diskant und die rechte Hand den Bass.
Das sechzehnte Jahrhundert erlebte zugleich den Höhepunkt und den Niedergang der bardischen Kultur. Nachdem der englische König Henry VIII 1536 und 1542 Gesetze verabschiedete die Wales England angliederten, verlor die walisische Sprache ihren offiziellen Status als Verwaltungssprache. Ab diesem Zeitpunkt orientierte sich der walisische Adel im Bezug auf Sprache und Kultur mehr und mehr an England. Im Laufe des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts wurde die traditionelle walisische Musik von populärer Musik aus England, vor allem aus den Theatern und von den Jahrmärkten, verdrängt. In der elisabethanischen Zeit verschwanden zunehmend die professionellen Barden mit ihrer strukturierten Kunst und ihrer komplexen metrischen Dichtung und wurden durch populäre Unterhaltungskünstler ersetzt. Die Lieder der englischen Theater waren so einflussreich, dass die walisischen Harfenisten deren Stil kopierten. Das Manuskript von Robert ap Huw (circa 1580–1665) ist eine Sammlung mit früher walisischer Musik. Dieser Meisterbarde aus Llandeusant auf der Insel Anglesey sammelte um das Jahr 1613 Stücke in einem alten Musikstil. Die Werke sind in einer Harfentabulatur geschrieben, die im achtzehnten Jahrhundert - nur hundert Jahre später - bereits von keinem Harfenisten mehr entschlüsselt werden konnte.
Der französische Theoretiker Marin Mersenne (1588–1648) beschreibt in seinem Traktat Harmonie Universelle (Paris, 1636) eine Harfe mit drei parallelen Saitenreihen, welche durch den berühmten französischen Harfenisten John le Flelle um das Jahr 1629 in England eingeführt wurde. Die beiden äußeren Reihen dieser Harfe sind diatonisch gestimmt; die innere Reihe enthält die chromatischen Töne. Dieses Instrument ist somit eine chromatische Harfe oder Tripelharfe. 1660 wurde Charles Evans zum Hofharfenisten des Prince of Wales ernannt. Er war der erste Walise von dem bekannt ist, dass er eine italienische (chromatische) Harfe spielte, welche 1663 für ihn erworben wurde. Der walisische Geschichtsforscher Iolo Morganwg (1747–1826) schrieb, dass die ersten Welsh Triple Harps nur wenige Jahre nach Charles Evans von Elis Siôn Siamas aus Llanfachreth, Harfenist von Königin Anne, gebaut wurden. Die Tripelharfe wurde in kürzester Zeit das bevorzugte Instrument der walisischen Harfenisten. Auch William Powell, der 1736 Hofharfenist wurde und im Orchester von Georg Friedrich Händel spielte (z.B. das Harfenkonzert in Alexander’s Feast), spielte die Tripelharfe.
Im späteren achtzehnten Jahrhundert kam es zu einem nie zuvor gesehenen Aufblühen walisischer Kultur in London. Die wohlhabenden Walisen in der Hauptstadt sahen sich als die Hüter ihres kulturellen Erbes und fühlten sich dazu verpflichtet, ihre Kultur für die kommenden Generationen zu bewahren. Sie gründeten walisische Gesellschaften und Klubs, bei deren Treffen Harfenmusik ein wesentlicher Bestandteil war.
John Parry
Der berühmteste walisische Harfenist des achtzehnten Jahrhunderts war John Parry (1710–1782). Er war von Geburt an blind und lernte bereits im Kindesalter das Harfenspiel in Bryn Cynan in der Nähe von Nefyn auf der Llŷn-Halbinsel. Er war bekannt als Parri Ddall, Rhiwabon (Blind Parry of Ruabon) und wurde Harfenist im Haushalt des walisischen Adligen Sir Watkin Williams Wynn of Wynnstay. Sir Watkin war Mitglied des Parlaments und verbrachte somit viel Zeit in London, wo er Parry der Gesellschaft vorstellte. Nach kurzer Zeit wurde der Harfenist für seine Virtuosität und die Schönheit seines Klangs gefeiert, und er spielte in den Häusern des Adels in London und in anderen Städten des Königreichs. Ein Artikel im Leeds Mercury aus dem Jahre 1742 beschreibt sein Konzertprogramm: Werke von Corelli, Vivaldi, Geminiani und Händel, abwechselnd mit schottischen und englischen Liedern.
Parry veröffentlichte mehrere Notendrucke: Ancient British Music (London, 1742), A collection of Welsh, English and Scotch Airs with new Variations (London, 1761) und British Harmony (London, 1781). Als Lehrer kann man ihn den Vater der neueren walisischen Harfentradition nennen, da die meisten der berühmten Harfenisten des neunzehnten Jahrhunderts direkt mit ihm in Verbindung gebracht werden können. Seine Musikdrucke sind zusammen mit den Publikationen von Edward Jones (‘Bardd y Brenin’ 1752–1824) die Grundlage der neueren walisischen Musik für die Harfe.
Die Aberystwyth Manuskripte
Alle Werke auf dieser CD stammen aus drei einmaligen Manuskriptensammlungen aus der walisischen Nationalbibliothek in Aberystwyth und aus John Parrys ‘A collection of Welsh, English & Scotch Airs with new Variations’. Diese Sammlungen zeigen, dass Harfenisten alle möglichen Musikgattungen spielten: von Volksliedvariationen, über Cembalomusik, Violinkonzerte und -sonaten, bis hin zu Opernarien und Orchesterwerken. Die komplexe Schreibweise der Stücke in den Sammlungen veranschaulicht das musikalische Können und die Virtuosität der walisischen Harfenisten.
Die drei Manuskripte MS 12393 D, MS 14427 B und MS 11970 D stammen aus dem dritten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts und sind die ältesten Manuskripte mit Harfenmusik in der walisischen Nationalbibliothek. Diese Sammlungen wurden von verschiedenen Harfenisten aufgeschrieben und besessen und sind ein seltenes Beispiel der walisischen Harfentradition des achtzehnten Jahrhunderts.
Der Inhalt der Manuskripte ist repräsentativ für das Repertoire und die Virtuosität der Harfenisten im achtzehnten Jahrhundert und gibt somit auch eine Idee vom Repertoire John Parrys. In jeder der drei Sammlungen befinden sich zahlreiche Werke italienischer Komponisten und Werke im italienischen Stil sowie Stücke von Georg Friedrich Händel. Dies reflektiert den Musikgeschmack des Adels und der gebildeten Schichten der Zeit. Die große Zahl der Werke und Variationsreihen von John Parry ist überraschend. Die Manuskripte enthalten veröffentlichte und unveröffentlichte Kompositionen von Parry, was auf einen persönlichen Kontakt der Schreiber mit Parry schließen lässt. Eine der Sammlungen gehörte Robert Edwards, einem direkten Schüler Parrys und eine weitere gehörte John Richards aus Llanrwst (1711–1789), einem berühmten Tripelharfenbauer, von dem bekannt ist, dass er Parrys letzte Harfe gebaut haben soll.
Maximilian Ehrhardt, Berlin 2019
Informationen zur Aufnahme
Maximilian Ehrhardt plays on a Welsh Triple Harp after John Richards (1764) made by Dario Pontiggia (Milano, 2009).
Recorded May 27-29, 2019
Location: Andreaskirche Wannsee, Berlin, Germany
Balance engineer & recording producer: Jonas Niederstadt
Producer: Bettina Schmidt
Corporate Design: Tim+Tim, timandtim.com
Cover photography: Alexander Gehring
Booklet photography: Jonas Niederstadt
Produced by Jonas Niederstadt
©+℗ 2020 Deutschlandradio/Carpe Diem Records
Presse / Rezensionen
Da mich der Harfinist persönlich informiert hatte, dass er diese CD bespielt hat, war ich neugierig und habe sie gekauft. Beruhigende schöne Musik, die man auch bei eine Beschäftigung nebenbei hören kann.