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Mélodies d'ailleurs

Mélodies d'ailleurs

Viviane Hasler
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Format

Viviane Hasler – Sopran
Maren Gamper – Klavier

Über das Album

"Mélodies d'ailleurs" ist das erste gemeinsame Album der Schweizer Sopranistin Viviane Hasler und ihrer langjährigen Freundin und musikalischen Partnerin Maren Gamper. Für dieses Album haben die beiden Künstlerinnen französische Lieder aus der Wende zum 19. Jahrhundert ausgewählt, die in Frankreich und darüber hinaus als "Fin de Siécle" bekannt sind. Werke von Claude Debussy, Ernest Chausson, Cécile Chaminade und Reynaldo Hahn werden mit drei Liedern des zeitgenössischen deutschen Komponisten Wolfgang Rihm kontrastiert, wodurch ein Konzeptalbum entsteht, das weit mehr ist als nur eine Anthologie romantischer Klavierlieder.

Die Interpretation von Viviane Hasler ist frisch und greifbar, ohne zu übertreiben oder zu romantisieren, und bleibt den Emotionen der Originalkompositionen treu und ehrlich. Die Pianistin Maren Gamper, immer auf der Suche nach dem perfekten Moment zwischen den Tönen, schafft eine intime und doch zutiefst unterstützende Klangwelt für die Stimme.

Aufgenommen im grossen Saal des Orchesterhauses in Kriens, Schweiz, versucht dieses Album, ein kleines Zeitfenster zu öffnen, indem es in Erinnerungen an eine vergangene Zeit eintaucht und sie mit der lebendigen Gegenwart verbindet.

Erschienen am:

Katalognummer: CD-16334

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tracklist

Tracklist von "Mélodies d'ailleurs"

Claude Debussy (1862-1918)
Ariettes oubliées
01. C’est l’extase 2:57
02. Il pleure dans mon cœur 2:40
03. L’ombre des arbres 2:48
04. Paysages belges 3:35
05. Aquarelles I. Green 2:40
06. Aquarelles II. Spleen 2:31

Wolfgang Rihm (*1952)
07. Ophelia sings Nr. I 2:06

Ernest Chausson (1855-1899)
08. Apaisement op. 13 Nr. 1 2:01
09. Sérénade op. 13 Nr. 2 2:17
10. L’aveu op. 13 Nr. 3 3:33
11. La Cigale op. 13 Nr. 4 1:52
12. Hébé op. 2 Nr. 6 3:18

Wolfgang Rihm (*1952)
13. Ophelia sings Nr. II 2:24

Cécile Chaminade (1857-1944)
14. Alleluia 1:48
15. Ma première lettre 2:38
16. La lune paresseuse 3:17
17. Villanelle 2:22

Wolfgang Rihm (*1952)
18. Ophelia sings Nr. III 4:25

Reynaldo Hahn (1874-1947)
19. A Chloris 2:47
20. Pholoé 1:49
21. L’Énamourée 3:17
22. Si mes vers avaient des ailes 2:15
23. L’heure exquise 2:04

Total time 61:36

Booklet-Text

Mélodies d’ailleurs

Das vorliegende Album vereint Lieblingslieder aus unserer über zehnjährigen Konzerttätigkeit und gibt damit einen sehr persönlichen Einblick in unser Schaffen. Im Lied zeigt sich die Fragilität der Musik, der Stimme. Kein Verstecken hinter Virtuosität oder Dramatik, sondern Reduktion auf die intime Besetzung des Duos, auf schlichte Gestik in der Musik. Der Ausdruck des Gefühls und der Stimmungen der einzelnen Stücke steht im Vordergrund, lässt auch Brüchigkeit zu, und gibt der Schönheit der Sprache Raum.

Der Titel Mélodies d’ailleurs spielt mit der doppelten Bedeutung des Wortes mélodie, als Überbegriff für das Genre des französischen Liedes im 19. Jahrhundert, und in seiner wörtlichen Bedeutung Melodie. Diese «Lieder von damals» erzählen von vergangenen Zeiten. Als Interpretinnen klassischer Musik tragen wir Geschichten und Melodien aus früheren Epochen ins Heute, bringen Werke längst verstorbener Komponist:innen zum Klingen. Durch die Aufnahme dieses Albums halten die hier versammelten Lieder auch einen Moment unserer Leben fest, und werden uns Interpretinnen überdauern.

Es war uns ein Anliegen, neben der romantischen und impressionistischen Musik in ihren Facetten einen Bruch zu schaffen mittels zeitgenössischer Stücke. Wolfgang Rihms Stücke bringen eine neue Ebene in Gestus, Sprache und natürlich im Charakter der Musik, sind aber ebenfalls sehr emotional. Sie lassen uns die älteren Werke neu hören. Dabei ist bemerkenswert, dass die neuste Musik die ältesten Texte verwendet: Während Debussy, Chausson, Chaminade und Hahn zu ihrer Zeit lebende Dichter:innen vertonten, setzt Rihm die originalen Shakespeare-Texte in Musik.


Die Texte der Ariettes oubliées stammen vom Paul Verlaine. Die Gedichte wurden 1874 veröffentlicht, als Verlaine im Gefängnis sass, weil er seinen Geliebten, den Dichter Arthur Rimbaud, angeschossen hatte. Claude Debussys Vertonung der Texte wurde 1888 veröffentlicht. Er widmete sie Marie-Blanche Vasnier, einer begabten Sopranistin und Frau seines Patrons, in die er heimlich verliebt war – so wird es zumindest vermutet: Sowohl die Texte als auch die Musik sind geprägt von den Erfahrungen der (unerfüllten) Liebe. Die Publikation löste 1888 aber kein grosses Echo aus. Erst 15 Jahre später, nachdem Debussy mit seiner Oper Pelléas et Mélisande grossen Erfolg erzielt hatte, wurden die Lieder neu gedruckt. Weil sich vor dem Erfolg fast niemand für seinen Liedzyklus interessiert hatte, nannte Debussy die Stücke nun Ariettes oubliées (vergessene Lieder).

Das erste Lied C’est l’extase beschreibt die fatigue amoureuse (wohl auch als Erschöpfung nach dem Sex zu verstehen), aber auch eine unbestimmtes Sehnsucht.

Il pleure dans mon cœur drückt eine diffuse Traurigkeit aus. Das Klavier nimmt das Wortspiel pleurer/pleuvoir (weinen/regnen) auf und lässt einen stetigen Regen rieseln, unterbrochen einzig für den Moment, in dem die Erzählerin realisiert, dass es gar keinen Grund für ihren Schmerz gibt.

Das anschliessende Lied L’ombre des arbres zeichnet eine düstere Stimmung: Das verschwindende Spiegelbild der Bäume im Wasser steht als Sinnbild für die «ertrunkene» Hoffnung.

Paysages belges beschreibt eine Jahrmarktszene, inspiriert durch eine Reise, die Verlaine mit Rimbaud nach Belgien unternahm. Es ist das lebendigste Stück des Zyklus und beschreibt den Schwindel eines sich immer schneller drehenden Karussells, gut hörbar im schnellen Klavierpart. Doch hinter der ausgelassenen Festtagsstimmung lauert bereits wieder die Traurigkeit, die Kirchenglocke erklingt, die rauschende Gesellschaft zerstreut sich, als es eindunkelt.

Green ist eine zarte, zerbrechliche Schilderung der Liebe. Die rhythmische Verschachtelung erzeugt ein Gefühl der Instabilität, des Diffusen. Als die beiden Liebenden am Ende einschlafen, kommen Stimme und Klavier aber zur Ruhe.

Spleen bezeichnet eine für den damaligen Zeitgeist zentrale Stimmung: Ein diffuses Gefühl des Unwohlseins, der Schwäche, des Leidens, auch ennui oder esprit bleu genannt, typisch für la Fin de Siècle. Dieser Stimmung begegnet man in den Liedern wiederholt. Das Lied Spleen beginnt mit einer zunächst einstimmigen Melodie im Klavier, danach setzt die Singstimme fast sprechend ein, unbegleitet, auf einem Ton. Doch schon bald entwickelt sich eine Dramatik und Zerrissenheit, Ausdruck der Angst, vom Geliebten verlassen zu werden. Mit dem kaum noch hörbaren Seufzer Hélas! (Ach!) endet der Zyklus.

Die verträumt-romantische Klangwelt wird gebrochen mit den ins Programm eingefügten Ophelia-Liedern von Wolfgang Rihm (*1952 in Karlsruhe), einem der renommiertesten zeitgenössischen Komponisten. Rihms umfangreiches kompositorisches Werk umfasst auch zahlreiche Stücke für Stimme.

Sein Zyklus Ophelia sings I-III (2012) zeugt von seinem tiefen Verständnis für die Singstimme: Die Partie ist technisch sehr anspruchsvoll, erfordert schnelle Wechsel in Lage, Dynamik und Gestus und umfasst einen weiten Ambitus, behält aber trotzdem immer eine gesangliche Linie und lyrische Ausdruckskraft. Zum Klavierpart gehören auch gesprochene Einwürfe.

Rihm vertonte die originalen Shakespeare-Texte, die die Zerrissenheit von Ophelia zeigen, die an Hamlets Verhalten zerbricht und im Wahnsinn endet. Die drei Lieder erscheinen auf unserem Album nicht in der ursprünglich vorgesehenen Reihenfolge, sondern sind eingebettet als Übergänge zwischen den romantischen bzw. impressionistischen Lied-Blöcken, wobei wir auf stimmige Übergänge geachtet haben (z.B.: Nr. I endet mit Motiv c‘‘-h‘ in der Singstimme, das anschliessende Lied Apaisement beginnt mit c‘‘‘-h‘‘ in der Klavierstimme).

Ernest Chausson (1855-1899) war Komponist und Pianist. In seinem Salon in Paris trafen sich viele Künstler:innen, darunter Debussy, den Chausson auch finanziell unterstützte. Er hat eine ganz eigene Klangsprache entwickelt. Seine Lieder sind schlichter, weniger dicht als die Kompositionen Debussys. Wie aus seinen überlieferten Tagebüchern hervorgeht, war Chausson zeitlebens sehr in sich gekehrt und hatte grosse Selbstzweifel. Sein Gesamtwerk ist nicht sehr umfangreich, wobei Lieder in seinem Schaffen einen wichtigen Platz einnehmen. Dies mag auch daran liegen, dass er bereits mit 44 Jahren verstarb, als er mit dem Fahrrad gegen eine Wand prallte. Es konnte nie ganz geklärt werden, ob es dabei um einen Unfall oder um Selbstmord handelte.

Die vier Lieder des op. 13 komponierte Chausson 1885-87. Apaisement nach Verlaine ist ganz schlicht gehalten. Zu einem Seufzermotiv im Klavier beschreibt die eher tief gehaltene Singstimme eine träumerische Stimmung, um sich erst zum Ende in die Höhe zu schwingen („c’est l’heure exquise“).

In Sérénade kommt Chaussons ganz eigene Harmonik gut zum Ausdruck: Das Stück kippt hin und her zwischen erweiterten E-Dur- und F-Dur-Klängen.

L’Aveu ist ein (Liebes-)Geständnis, jedoch in mysteriöser Stimmung gehalten, zwischen getragenen und fliessenderen Passagen wechselnd. Den Abschluss des Zyklus bildet das lebhafte Cigale, eine Hymne an die Zikade, die von den Musen geehrt wird und von Zeus unsterblich gemacht wurde.

Ebenfalls einen Bezug zur griechischen Mythologie weist das Lied Hébé auf, welches wir dem Zyklus hinzugefügt haben: Hébé ist die Kind-Göttin, die den Nektar der ewigen Jugend ausschenkt. Das Lied berührt durch seine schlichte, melancholische Weise.

Cécile Chaminade (1857 – 1944) schrieb neben einigen Werken für grössere Besetzungen vor allem viele Stücke für Klavier solo sowie über hundert Lieder. Sie war selbst eine erfolgreiche Pianistin, was man dem Klavierpart der Lieder auch anmerkt. Ihre Lieder sind wunderschöne Miniaturen, mal verspielt und sprudelnd vor Energie, dann wieder sehr intim und nachdenklich.

Es ist ihrem Pariser Nachbarn Georges Bizet zu verdanken, dass die 8jährige Cécile Kompositionsunterricht erhielt. Gegen ein Studium am Konservatorium setzt sich Céciles Vater später zwar durch, da „unschicklich“ für eine Frau, kann damit die Karriere seiner Tochter aber nicht stoppen. Sie hat bereits zu Lebzeiten grossen Erfolg, vor allem aber in England und den USA. Dies ist ungewöhnlich, wurden Komponistinnen doch damals viele Steine in den Weg gelegt, so dass sich nicht wenige entschieden, ihre Werke unter männliche Pseudonym zu publizieren.

Alleluia beschreibt den Frühling, und bezieht sich dabei auch auf eine erneut erwachende Liebe. Das kurze, überschwengliche Stück endet mit dem Ratschlag, dass wir uns unsere Liebe(n) bewahren sollen, um unsere (innere?) Jugend zu bewahren.

In Ma première lettre findet die Erzählerin einen Brief in einer Kinderhandschrift - und realisiert, dass sie den Brief selber geschrieben haben muss. Sie kann sich jedoch trotz Anstrengung nicht daran erinnern. Dieses Vergessen stimmt sie nachdenklich: Wird man eines Tages auch seinen ersten Liebesbrief vergessen?


La lune paresseuse vertont eine nächtliche Szene als Ode an den Mond, der sich zuerst noch hinter Wolken versteckt, und zeigt dabei eine Palette an Klangfarben.

Eine deutlich andere Stimmung begegnet uns in Villanelle: Das Erntedankfest steht an, es wird getanzt bis in den Morgen.

Die Lieder von Reynaldo Hahn (1874 – 1947) ergreifen durch ihre musikalische Schlichtheit und kreieren eine zauberhafte Stimmung. Der Komponist wurde in Caracas, Venezuela, geboren, zog später nach Paris, wo er studierte und wirkte, neben seiner kompositorischen Tätigkeit auch als Musikkritiker und Dirigent. Er komponierte viel für Stimme, sei es in Opern, Operetten, in geistlicher Vokalmusik oder in seinen Liedern.

A Chloris gehört zu den bekannteren Stücken Hahns. Es erzählt von hoffnungsvoller Liebe. Pholoé handelt von einem eher ungewohnten Thema: Dem Altern. Die Erzählerin spricht zu Pholoé und erinnert diese daran, dass Feste vergehen, dass sich unweigerlich Silber durch unser Haar ziehen wird, das Rot unserer Lippen verblassen wird.

Si mes vers avaient des ailes auf einen Text von Victor Hugo schrieb Hahn bereits mit 13 Jahren. Wie L’Énamourée wurde es 1896 in einer ersten Liedsammlung veröffentlicht. Während Si mes vers schlicht und innig gehalten ist, zeigt L’Énamourée einen fast schon opernhaften Gestus.

Den Abschluss bildet das zauberhaft schlichte Lied L’heure exquise. Der Text, ein Gedicht ohne Titel von Verlaine, erscheint auf diesem Album bereits in der zweiten Vertonung (nach Chaussons Apaisement). Damit schliesst sich der Bogen zu den ebenfalls aus Verlaines Feder stammenden Ariettes oubliées.

Viviane Hasler, Luzern 2024

Informationen zur Aufnahme

Recorded September 11–14, 2023

Location: Orchesterhaus des Luzerner Sinfonieorchesters, Kriens
Balance engineer & recording producer: Jonas Niederstadt
Booklet text: Viviane Hasler
Song text translation: Viviane Hasler with deepl.com
Cover photography: Dominique Huwyler
Booklet photography: Jonas Niederstadt

Produced by Jonas Niederstadt

© 2024 Carpe Diem Records

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