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Il viaggio d'Amore

Il viaggio d'Amore

Arianna Savall
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Arianna Savall, Petter U. Johansen, Hirundo Maris: Liebeslieder aus nahen und fernen Ländern und Zeiten

Das neueste Album von Arianna Savall, Petter Udland Johansen und ihrem Ensemble Hirundo Maris, das auf die Hildegard von Bingen - Aufnahme vom letzten Jahr folgt, ist eine musikalische Reise des Amor, der Liebe, durch Europa und darüber hinaus, durch verschiedene Zeiten und Kulturen.

Auf diesem Album sind traditionelle Lieder, Lieder aus der Renaissance sowie neue Kompositionen von Arianna Savall und schließlich das berühmte "Gracias a la vida" der chilenischen Sängerin und politischen Aktivistin Violeta Parra versammelt.

Die sechs Musiker von Hirundo Maris verbinden all diese vielfältigen musikalischen Quellen ihrer Musik zu einem zeit- und schwerelosen Tanz durch Zeit und Raum. Am Ende ist nicht mehr klar, wo die Grenzen und Unterschiede zwischen ihnen liegen, und es ist auch gar nicht mehr wichtig: Die Liebe als universelle verbindende Kraft wird hier ganz praktisch angewandt und für den aufmerksamen Hörer nachvollziehbar und sehr real gemacht.

Hirundo Maris:

Arianna Savall - Sopran, barocke Tripelharfe
Petter Udland Johansen - Tenor, Hardingfele, Cister
Michal Nagy - Gitarre, Gesang
Sveinung Lilleheier - Gitarre, Dobro, Gesang
Miquel Angel Cordero - Colascione, Kontrabass, Stimme
David Mayoral - Schlagzeug, Stimme

Erschienen am:

Katalognummer: CD-16307

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tracklist

Tracklist von "Il viaggio d'Amore"

Spain
01. Rosa fresca Anonym 16c. / Salinas / arr. Savall / Johansen 2:49
02. Canarios Anonym / Savall / Johansen 3:42
03. Yo me soy la morenica Cancionero de Palacio (14 c.) 2:40
04. La tarara Trad. / F. García Lorca (1898-1936) / Savall 3:17
05. Jotas Santiago de Murcia (1673 -1739) / Savall 2:54

Catalonia
06. La Dama d’Aragó Catalan folksong / A. Savall 7:22

Galicia
07. Cancro Cru Anxo Pintos / arr. J. Vogel / Savall / Johansen 3:58

Italy
08. Si dolce è il tormento Claudio Monteverdi / arr. Savall /Johansen 5:06

Switzerland
09. Girometta Trad. Ticino / arr. Savall /Johansen 3:21

France
10. L’amour de moi Anonym 16 c. / arr. A. Savall 3:25
11. Doulce mémoire Pierre Sandrin (1490-1561) / Savall / Johansen 6:08
12. L’adieu Guillaume Apollinaire (text) / Savall (music) 4:15

Germany and Austria
13. Heidenröslein Franz Schubert / J. W. von Goethe 2:23

England
14. I will give my love an apple Trad. / Johansen 3:28

Norway
15. Astri, mi Astri / Sekstturen Trad. / Johansen 7:22

Chile
16. Gracias a la Vida Violeta Parra (1917-1967) / Jan Hammarlund 7:15
(swedish text), arr. Savall / Johansen

Booklet-Text

Il Viaggio D’Amore

Es gibt ein sehr schönes Bild, um zu erklären, was eigentlich Musik aus vergangenen Zeiten ist. Stellen wir uns eine Flaschenpost voller Gefühl vor, die irgendwann vor hunderten von Jahren ins Meer der Zeit geworfen wurde, und die wir nun wieder öffnen. Die in ihr verborgene Botschaft weht uns im besten Fall in dem Zauber, in der Energie an, mit der sie einst hineingegeben wurde. Genau dies zu erlebbar zu machen, ist die hohe Kunst der Interpretation.

Aber kann man das? So einfach durch die Jahrhunderte und Länder schreiten und Lieder von der Liebe singen, als lägen nicht Grenzen dazwischen, in Zeit und Raum? Und zu den alten Liedern eigene, neue fügen, die sich in eine Tradition stellen und doch die Gegenwart behaupten? Natürlich kann man, man muss sogar, wenn man die alte Musik konsequent als heutig begreift. In dem Augenblick entstehend, in dem sie gesungen und gespielt wird, in dem Moment verstanden, in dem man sie hört. Genauso machen es Arianna Savall und Petter Udland Johansen und laden uns ein, ihnen zu folgen.

Die beiden und ihr Ensemble stellen uns eine so einfache wie überirdische, so aktuelle wie zeitlose Frage: wie ist das eigentlich mit der Liebe? Auf der Suche nach Antworten reisen sie durch ein knappes Dutzend Länder, darunter Spanien, Österreich, Norwegen und die Schweiz, und landen schließlich in Chile. Sie nehmen Instrumente mit, die ebenso vielfältig sind wie die Musik: die Tripelharfe, die eigentlich in Italien zur Zeit Monteverdis erfunden wurde, über den französischen Hof nach England kam, wo sie nicht nur König Charles I. schätzte, sondern bald auch die Volksmusikanten in Schottland und Irland; die Cister, ein Zupfinstrument, das sogar der Reformator Martin Luther spielte; und die Hardangerfidel, das wichtigste Instrument der norwegischen Volksmusik, die zu ihren vier gestrichenen Saiten auch noch Resonanzsaiten zum Klingen bringt.

Die Reise beginnt mit einem Dialog aus der spanischen Renaissance, der Romanze von der jungen Rose, die eine der vielen unbequemen Wahrheiten der Liebe ausspricht: sie hat ihm vertraut; geglaubt, er werde sie heiraten. Aber er hat in Wirklichkeit schon Frau und Kind. Als es herauskommt, lügt er und streitet alles ab. Yo me soy la morenica aus dem berühmten “Cancionero de Palacio” dagegen, der Liedsammlung vom legendären Hof der Könige Ferdinand und Isabella, ist eine Variante des „Nigra sum“ aus dem Hohelied Salomonis, von dem bis heute nicht klar ist, ob der Text ursprünglich eine erotische, sinnliche Liebe beschreibt oder die metaphorische Darstellung der ekstatischen Verbindung von Mensch und Gott meint. Mag man hier noch zweifeln, so ist bei La tarara sehr klar, was das Mädchen im grünen Kleid dem Burschen verspricht, der gerade Oliven pflückt … Die katalanische Ballade La Dama d’Aragó wirft noch ein weiteres Problem auf: was ist, wenn die Liebenden gar Bruder und Schwester sind, und der eine seine Geliebte zu dem Mann bringen muss, den sie heiraten soll?

Wir können darüber reflektieren, während der galizische Tanz Cancro Cru uns durch Nebel und übers Meer führt, um in Italien zu landen. Si dolce è il tormento ist eines der berühmtesten Solomadrigale von Claudio Monteverdi. Es beschreibt jene Absurdität der Liebe, die sicher jeder von uns schon gespürt hat, jenen Widerspruch, dass schmerzt, was schön ist: zumal, wenn man sich zurückgestoßen fühlt wie der Erzähler oder die Erzählerin in diesem Lied. Zum Glück geht es in der Schweiz viel heiterer zu: Girometta, die in einem Volkslied aus dem Tessin von den Bergen kommt, wird mit ihrem Hirtenfreund sicherlich nicht nur Flöten blasen und tanzen…

In Frankreich schleichen wir uns zunächst in einen geheimnisvollen Rosengarten der Renaissance, in dem die Nachtigall ihr verführerisches Lied ertönen lässt. L’amour de moi erzählt von einem Paar, dass dort bei Tag und noch mehr bei Nacht ihrem Vergnügen nachgeht. Um wieviel verzweifelter ist danach der Erzähler von Doulce mémoire: in diesem berühmtesten Chanson der französischen Renaissance geht es um die Trauer, die einkehrt, wenn eine Liebe erlischt. Alles, was einmal schön war, wendet sich in Schrecken, das Glück in Verzweiflung. Von Arianna Savall selbst stammt danach die Vertonung des Gedichts L’adieu von Guillaume Apollinaire, einem kurzen, symbolgeladenen Text, in dem der Dichter die ewige Liebe über den Tod hinaus beschwört.

Petter U. Johansen interpretiert Schuberts berühmtes Heideröslein (die Koproduktion des deutschen Dichters Goethe und des österreichischen Komponisten Franz Schubert) als den Schreck über die erste sexuelle Erfahrung eines jungen, unerfahrenen Paares – was sehr viel für sich hat. Und nach einem kurzen Abstecher nach England - I will give my love an apple speist sich aus der Großzügigkeit der frischen Liebe, die wie keine andere Herzen und Sinne zu öffnen vermag – und Norwegen – ein Paar erkennt in Astri, mi Astri zu spät, dass es eigentlich füreinander bestimmt ist – endet unsere Liebesreise in Chile. Und zu Violeta Parras Gracias a la Vida lohnt es sich, noch einmal kurz innezuhalten. Bisher wurde die Liebe in aller Lust und Sehnsucht, in aller Vergeblichkeit und Erfüllung besungen. Die chilenische, politisch stark engagierte Künstlerin allerdings macht diese Unterscheidungen nicht. Sie trennt nicht, sondern eint. In ihren Dank an Leben schließt sie alles ein, die Stärke wie die Schwäche, das Leid wie das Glück. Wir wollen ihr es gerne glauben, gerade im Wissen, dass sich die Künstlerin kurz nach der Komposition dieses Meisterwerks im Alter von 50 Jahren das Leben nahm. Niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde mit der Liebe, auch nicht Arianna Savall, Petter U. Johansen und ihr Ensemble. Umso lieber hören wir ihnen zu.

Thomas Höft, Graz, 31. August 2015

Informationen zur Aufnahme

Location: Heilig-Kreuz-Kirche Basel-Binningen (Switzerland)
Recording Producer, Editing, Mix & Mastering: Jonas Niederstadt
Corporate Design: Tim+Tim, timandtim.com
Cover photography: Karoline Amaury
Booklet photography: Jonas Niederstadt
Translations: Andrew Barnett (Liner notes EN), Sophie Liwszyc (Liner notes FR), Gabriele Grunert (No. 8 DE), Kline, A.S. (No. 12 EN), E. A. Bowring (No. 13 EN), Frank Dobbins (No. 11 EN), Jacqueline Minett (No. 6 EN), Claudia Kalász (No. 6 DE), Jonas Niederstadt (No. 1, 4, 10, 12, 14, 15, 16 DE, No. 9 EN)

Produced by Jonas Niederstadt

Presse / Rezensionen

Rheinische Post

Eine hinreißende Reise der Liebenden

Das ist wieder eine dieser Platten, für die es keine Schublade gibt. Sie lässt sich nicht fachgerecht sortieren, sie hat Wurzeln in der Barockmusik, in der Volksmusik, in der Renaissance, im Jazz, einmal springt sie zu Schuberts "Heideröslein", dann schmiegt sie sich sozusagen in einen Kaschmir-Pullover, den der große Claudio Monteverdi der Musikgeschichte mit seinem unvergänglich innigen "Si dolce è il tormento" wob.

Sie begibt sich mal hierhin, mal dorthin - und erfindet einen wunderbaren Bilderbogen der Liebe. Die neue CD von Arianna Savall und ihrem Ensemble Hirundo Maris heißt "Il viaggio d'amore", und sie beschreibt nichts weniger als eine musikalische Reise der Liebe durch Europa, durch nahe und ferne Länder und Zeiten. Es gibt auch Kompositionen der Sängerin Arianna Savall selbst. Krönender Abschluss ist das berühmte "Gracias a la vida" der chilenischen Sängerin Violeta Parra.

Die sechs Musiker des Ensembles Hirundo Maris vereinen all diese unterschiedlichen Quellen, als ob sie über Grenzen hinweg tanzen wollen. Gemeinhin pflegt man bei solchen Platten von Crossover-Produkten zu sprechen, was einem angesichts der geradezu betörenden Schönheit dieser Interpretationen ziemlich banal erscheint. Hirundo Maris ist eine fabelhafte Combo, und es wäre eine Frechheit, würde man die Musiker nicht einzeln nennen.

Voilà, es musizieren: Arianna Savall (Sopran, barocke Tripelharfe), Petter Udland Johansen (Tenor, Hardangerfiedel, Mandoline), Michal Nagy (Gitarre, Gesang), Sveinung Lilleheier (Gitarre, Dobro, Gesang), Miquel Angel Cordero (Colascione, Kontrabass, Gesang), David Mayoral (Perkussion, Gesang). Das Grandiose dieser Platte (erschienen bei Carpe Diem Records) ist, wie die Gesangsstimmen verschmelzen. Die Timbres sind leicht, ohne öliges Vibrato, sie beherrschen die Kunst, auf einem Ton eine dynamische

Linie zu entwickeln, ohne dass das irgendwie manieriert wirkt.

Im Duett umschmeicheln sie einander, lassen sich gemeinsam treiben, nehmen Abstand, finden einander neu. Man könnte sagen: Diese Duette sind wie das Leben und die Liebe.

Wolfram Goertz, RP