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Die Nacht ist vorgedrungen

Die Nacht ist vorgedrungen

Richard Resch
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Mit seinem neuen Weihnachtsalbum „Die Nacht ist vorgedrungen“ lädt der Tenor Richard Resch zu einer musikalischen Reise ein, die weit über das Gewohnte hinausgeht. Statt altbekannter Weihnachtsklassiker erwarten die Hörerinnen und Hörer sorgfältig ausgewählte Werke vom Frühbarock bis zur Moderne, die eines gemeinsam haben: Sie rücken das Licht, die Hoffnung und die Menschlichkeit ins Zentrum einer Zeit, die für viele zwischen Kitsch und Kommerz zu verschwimmen droht.

Resch, bekannt für seine musikalische Ausdruckstiefe und stilistische Vielseitigkeit, hat das Repertoire dieses Albums mit großer Sorgfalt kuratiert – inspiriert von der tiefen Symbolkraft der Weihnacht und ihren Ursprüngen. „Weihnachten ist voller kleiner, wundervoller Unnötigkeiten – aber auch voller Tiefe,“ so der Sänger selbst. „Ich wollte ein Album aufnehmen, das diese Dualität ernst nimmt.“

Im Mittelpunkt steht das titelgebende Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ von Jochen Klepper, dessen eindringlicher Text – entstanden 1937 inmitten der Dunkelheit des Nationalsozialismus – heute aktueller denn je erscheint. Ebenso berührend ist der abschließende Beitrag: Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“ in einer sehr persönlichen Interpretation, aufgenommen in der stillen Nacht einer spärlich beleuchteten Kirche – ein Moment großer Zerbrechlichkeit und innerer Stärke.

Das Programm spannt einen musikalischen Bogen von barocken Kantaten von Christoph Graupner und Wolfgang Carl Briegel, über Bearbeitungen traditioneller Lieder wie „Maria durch ein Dornwald ging“ bis hin zu byzantinischen Tropen und französischen Weihnachtschansons. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf unbekannteren Stücken und Neukompositionen, etwa von Silvan Loher oder im Arrangement des arabisch-christlichen Liedes „Miladuka“.

Trotz aller Vielfalt eint die Stücke auf diesem Album eine klare Botschaft: „Alles wird gut.“ Diese Worte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Werke – sie trösten, fordern heraus und schenken Halt. In Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit und persönlicher Herausforderungen erinnert das Album an die ursprüngliche Kraft des Weihnachtsfestes: die Ankunft des Lichts mitten in der Dunkelheit.

Entstanden in einer intensiven Arbeitsatmosphäre in der faszinierenden Akustik der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche in Berlin, bewahrt das Album einen intimen, fast familiären Charakter. Unterstützt von einem kleinen, engagierten Ensemble aus Musiker*innen und Sänger*innen sowie einem sensiblen Tonmeisterteam, entstand so ein Werk, das seine Wirkung und Nahbarkeit aus tiefer Liebe zur Musik und gelebter Authentizität schöpft.

„Für mich sind spannende Aufnahmen nicht unbedingt makellos, aber voller Leben,“ sagt Richard Resch. „Dieses Album ist genau das – ein lebendiger, zutiefst persönlicher Advents- und Weihnachtszyklus.“

Erschienen am:

Katalognummer: CD-16339

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tracklist

Tracklist von "Die Nacht ist vorgedrungen"

01. Die Nacht ist vorgedrungen (T.: Jochen Klepper, 1903–1942; M.: Johannes Petzold 1912–1985) 2:39
02. Maria durch ein Dornwald ging (arr. Silvan Loher *1986)3:52
03. Träuffelt Ihr Himmel von oben (Johann Rosenmüller, 1619–1684)5:06
04. Wachet auf, ruft uns die Stimme (Franz Tunder 1614–1667) 6:13
05. Vom Himmel hoch da komm ich her (Wolfgang Carl Briegel 1626–1712) 7:54
06. In dulci jubilo (Dieterich Buxtehude, ca. 1637–1707) 7:01

Das Leben war das Licht der Menschen (Christoph Graupner, 1683–1760)
07. Aria 1:50
08. Recitativo 1:17
09. Aria Vivace 6:53
10. Recitativo 1:11
11. Choral 1:28
12. Aria 3:41
13. Choral 1:17

14. Miladuka (traditional) 5:03
15. Une petite feste à Bethlehem (Melodie: 1599) 3:11
16. Out of the orient crystal skies (William Byrd 1539/1543–1623) 3:33
17. Remember O thou man (Thomas Ravenscroft, 1582/1593–ca. 1635) 4:35
18. La Noël Passée (arr. Benjamin Britten, 1913–1976) 3:38
19. Nous voici dans la ville (France, ca. 1600) 3:53
20. Von guten Mächten treu und still umgeben (T.: Dietrich Bonhoeffer,1906–1944; M.: Otto Abel, 1905–1977) 5:03


Total time 79:30

Booklet-Text

Weihnachten. Das Fest der Liebe. Für viele bedeutet das Zeit mit der Familie, Gemütlichkeit, Geschenke, bunte Lichter und natürlich das Singen von Weihnachstliedern. Kaum etwas anderes bringt uns mehr in Stimmung als das obligatorische „Stille Nacht“. Vieles haben wir liebgewonnen, ohne es zu hinterfragen. Doch was bedeutet das Grün der Zweige, die roten Christbaumkugeln und all die Lichter und Sterne? Genau diesen Fragen wollen wir mit dem vorliegenden Album ein wenig nachspüren.

Das Wunder der Weihnachtsgeschichte scheint aus der Zeit gefallen zu sein, doch wie der Religionswissenschaftler Pinchas Lapide einst formulierte, könne man die Bibel nur wörtlich oder ernst nehmen; beides zugleich gehe nicht. Wer sich also auf die Weihnachtsgeschichte einlässt, kann sich dem Zauber und der Symbolkraft des Lichtes, durch den Morgenstern, aber auch durch den Heiland selbst, nur schwer entziehen.

Und so haben wir auch bei der Auswahl der Stücke des vorliegenden Albums das Weihnachtsfest ernst genommen und es mit Bedacht zusammengestellt. Im Mittelpunkt steht für uns das Licht und die Hoffnung, die mit der Geburt Jesu in das Leben der Menschen tritt, und die Botschaft: Alles wird gut. Besonders in dunklen Zeiten rücken Menschen enger zusammen und den „heiligen Nächten“ kommt dann noch einmal eine besondere Bedeutung zu.
So wurde „Die Nacht ist vorgedrungen“ von Jochen Klepper am 18. Dezember 1937 verfasst und 1938 als „Weihnachtslied“ in dem Band „Kyrie. Geistliche Lieder“ veröffentlicht. Klepper, der die Schrecken der NS-Zeit hautnah miterlebte, schickte dem Lied folgenden Bibelvers voraus: „Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“ (Römer 13, 11-12). Dieses Lied sollte Hoffnung schenken und aufrufen zum Durchhalten und am Ende den Triumph des Geistes über alles Dunkel besingen. Für Jochen Klepper wurde die Dunkelheit am Ende übermächtig und er entschied sich zusammen mit seiner Frau, deren Zwangsscheidung und Deportation bevorstand, und mit seiner Tochter, die ebenfalls deportiert werden sollte, im Dezember 1942 für die Flucht in den Tod.

Der Tod begegnet uns in vielen Kulturen ähnlich: als dunkle Gestalt, oft leise, oft versinnbildlicht in der Natur durch Nacht, Winter, Kälte und auch durch das fehlende Grün. So ist auch der karge Dornenwald ein gängiges Bild dafür. Doch ähnlich wie beispielsweise Adonis, Frau Holle, Perchta oder die Befana lässt auch Maria auf Schritt und Tritt Blumen erblühen und bringt das Leben - zumindest in der folkloristischen Marienverehrung Mitteleuropas und so auch in dem erstmals im thüringischen Eichsfeld überlieferten Lied „Maria durch ein Dornwald ging“. Diese Weise, die wahrscheinlich das erste Mal im 16. Jahrhundert erwähnt wurde, erfuhr in ihrer Fassung von 1850 große Beliebtheit und wurde durch die Jugendbewegung weit verbreitet und ist bis heute sehr beliebt. Auch viele Künstler*innen haben sich mit diesem Lied beschäftigt, wie zum Beispiel der aus der Schweiz stammende und in Norwegen lebende Komponist Silvan Loher, der mit seinem Arrangement eine der schönsten Bearbeitungen geschaffen hat. Maria, mit dem Kind unter ihrem Herzen, wandelt durch den Dornwald und lässt ihn erblühen. Ein wundersames Versprechen, dass das Leben über des Todes Stachel obsiegt.

Ein anderes Adventslied, das gerne in dieser Zeit der Erwartung gesungen wird, ist „Tauet, Himmel, den Gerechten“. Basierend auf dem originären lateinischen „Rorate Coeli“ hat es viele Text- und Melodievarianten erfahren. Die wohl populärste ist folgende: „Thauet Himmel den Gerechten! Wolken, regnet ihn herab! Rief das Volk in bangen Nächten, dem Gott die Verheißung gab, einst den Mittler selbst zu sehen und im Himmel einzugehen. Denn verschlossen war das Thor, bis ein Heiland trat hervor.“ Auch Johann Rosenmüller befasste sich mit dem Lied und schuf mit „Träuffelt Ihr Himmel“ ein kleines geistliches Konzert, das zu einem seiner bekanntesten Werke werden sollte. Joachim Meier, ein Zeitgenosse Rosenmüllers, schreibt in seinem Buch Der anmaßliche Hamburgische Criticus sine Crisi von 1728, dass Rosenmüller dem Darmstädter Hofkapellmeister Wolfgang Carl Briegel „so gleich sahe / daß man leicht einen vor den andern hätte ansehen können / wiewohl Briegel als ein Doucer Mann Ihm weder in moribus noch in der Composition gleich kam“.

Doch auch Briegel schuf einen ganzen Reigen geistlicher Konzerte und Kantaten, von denen „Vom Himmel hoch da komm ich her“, das 1660 in Gotha in den „Evangelischen Gesprächen“ veröffentlicht wurde, ein reizvolles Beispiel liefert. Die kleinen Duette zwischen Zink und Violine unterstreichen den pastoralen Charakter, in denen der Engel den Hirten erscheint, die wiederum in drei- und vierstimmigen Chorpassagen die Geburt Christi preisen.

Während Briegel in seiner Tonsprache dem Frühbarock verhaftet bleibt, komponiert sein Nachfolger in Darmstadt, Christoph Graupner, bereits in einem ganz anderen, hochbarocken, fast schon opernhaften Stil. Nach seiner Ausbildung bei den Thomaskantoren Thomas Selle und Johann Kuhnau, wirkte er als Cembalist unter Reinhard Keiser an der Hamburger Oper am Gänsemarkt, bevor er schließlich seine Stellung in Darmstadt antrat. „Das Leben war das Licht der Menschen“, komponiert zum dritten Weihnachtstag, dem 27. Dezember 1745, ist ein klassisches Beispiel seines Kantatenschaffens, das mit den Affekten und Manierismen seiner Zeit spielt.

Ähnlich wie Graupner auf Briegel, folgte an der Lübecker Marienkirche Dietrich Buxtehude seinem Schwiegervater Franz Tunder. Ihre Bearbeitungen von „Wachet auf ruft uns die Stimme“ und „In dulci jubilo“ sind nur zwei Beispiele ihres viel bewunderten Schaffens. Philipp Nicolais Lied „Wachet auf ruft uns die Stimme“, veröffentlicht 1599 im „Freudenspiegel des ewigen Lebens“, zitiert eine Wendung der damals sehr bekannten „Silberweise“ des Nürnberger Meistersingers Hans Sachs und bezieht sich auf das biblische Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen. Die mystische Hochzeit des Messias mit Zion als personifiziertem Jerusalem und Bild der gläubigen Seele ist schon im nachexilischen Judentum und dann im Christentum die spirituelle Interpretation des Hoheliedes und wird bei den Protestanten besonders gerne zum Ende des Kirchenjahres gesungen, während die Katholiken es zum Beginn des Kirchenjahres, nämlich im Advent, singen.

In der von Tunder nicht vertonten dritten Strophe heißt es bei Nicolai:

„Gloria sey dir gesungen/ Mit Menschen und Englischen Zungen/ Mit Harpffen und mit Cymbaln schön: Von zwölff Perlen sind die Pforten An deiner Statt/ wir sind Consorten Der Engeln hoch umb deinen Thron/ Kein Aug hat je gespürt/ Kein Ohr hat mehr gehört/ Solche Freuwde. Deß sind wir fro/ io/ io, Ewig in dulci iubilo.“

„In dulci jubilo“ ist eine Dichtung des späten 14. Jahrhunderts, die dem in der katholischen Kirchen als selig verehrten Thurgauer Dominikanermönch Heinrich Seuse zugeschrieben wird. Bei diesem volksnah anmutenden Lied handelt es sich im erweiterten Sinne um eine sogenannte Makkaronische Dichtung oder ein „Nudelgedicht“, bei dem ursprünglich aus humoristischem Anlass zwei Sprachen miteinander verquickt werden und die Grammatik dabei oft seltsame Blüten treibt. Später findet diese Sprachspielerei als Stilmittel mehr und mehr Einzug in ernsteren Texten. In der Fassung von Buxtehude sind eigentlich drei Gesangsstimmen vorgesehen – in unserer Version hingegen singen die Viola und Viola da Gamba zusammen mit der Gesangsstimme im Terzett.

Mit „Miladuka“, einem byzantinischen Tropus, wendet sich das Album der Keimzelle des Christentums und der Weihnachtsmystik zu. Unter dem römischen Kaiser Konstantin wurde das Datum von Christi Geburt auf den 24. Dezember festgelegt. An selbem Datum wurde auch Mithras, der „Sol invictus“ (die „unbesiegte Sonne“) der Mythologie nach geboren. Dieser wurde auch noch zu Konstantins Zeit sehr stark verehrt. Auch war es Konstantin, der in Bethlehem über der Höhle, in der ursprünglich Adonis verehrt wurde, eine erste christliche Kirche errichten ließ und diesen Höhlenstall als Geburtsort Jesu festlegte. Die byzantinische Tradition ist bis heute tonangebend in vielen östlichen Kirchen, und auch das arabische Christentum besingt mit „Miladuka“ dabei die Geburt Christi, „die das Licht auf die Welt gebracht hat und in dessen Schein Gerechtigkeit auf Erden herrschen wird.“ Bis heute ist es ein beliebtes Weihnachtslied und wird unter anderem von den Gemeinden in Jerusalem und Bethlehem gesungen.

Bethlehem wird als Geburtsstätte Christi viel besungen und so auch in einer beliebten Chanson, die eine überraschende zweite Karriere als Weihnachtslied machte. Ursprünglich ein frivoler Gassenhauer, war „Une petite feste“ eine sehr populäre Chanson, deren Beliebtheit dem Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld ein Dorn im Auge war, weswegen er die Chanson kontrafiziert hatte, also die Melodie mit einem neuen, „geistlich gefälligem“ Text versehen hat, um dem Lied sein „pestilenzisch Gift zu entreißen“. Wir haben das Lied ein wenig aus dem frömmelnden Rahmen seiner Entstehung genommen und wieder zurück auf die Straße gebracht, woher es stammt. So wird bei uns das Weihnachtslied zwar nicht zu einer frivolen Chanson, aber wir stellen sie uns als einen fiktiven Gassenhauer vor, wie er vielleicht in den engen Gassen mittelalterlicher Städte und Dörfer erklungen haben könnte und wollten der etwas vergeistigten Aura der Spee’schen Dichtung etwas bürgerliche Bodenständigkeit entgegensetzen. So wurde aus „Zu Bethlehem geboren“ „Une petite feste à Bethlehem“. Die einfache Bevölkerung war von jeher stolz darauf, dass ihr zuerst die Geburt Jesu Christi verkündet worden war und so erschien ein kleines weihnachtliches Straßenfest nur schlüssig.
Volkstümliche Dichtung wurde aber auch in Bürger- und Adelshäusern gepflegt, wo Hausmusik eine große Rolle spielte. So waren Musik-Consorts durchaus üblich, und einer der Großmeister dieser Gattungsform ist William Byrd. Als „Gentleman of the Chapel Royal“ gilt er als einflussreichster Komponist der elisabethanischen Zeit und hat neben unzähligen Messen und Chorwerken auch viel Consort Musik verfasst. „Out of the orient crystal skies“ liegt ein polyphoner fünfstimmiger Streichersatz zugrunde, wobei die oberste Stimme mit einem Text zur Weihnachtserzählung versehen wurde. Diese wird weiterhin ganz instrumental geführt und erzählt gleichzeitig in fast naivem Ton die Geschichte vom Stern über Bethlehem und den drei Weisen aus dem Morgenland.

Einen Volkston behält auch Thomas Ravenscroft in „Remember O thou man“ - erschienen in seinen „Melismata“ - bei, das wohl zuerst in Cambridge und später auch in London erklungen ist, wo er Mitglied des Chores der Saint Paul’s Cathedral und Musiklehrer am Christ’s Hospital war. Er hebt in dieser schlichten Weise aber auch einen moralischen Zeigefinger und weist auf den Ursprung des Christfestes hin: Gedenke, Mensch, dass Deine Zeit auf Erden begrenzt ist - gedenke, Mensch, an Adams tiefen Fall und die Verdammnis der Menschen. Aber jetzt ist da einer geboren, ganz schlicht als Kind in der Krippe, der uns die Tür zum Paradies wieder öffnet.

Vom England des frühen 17. Jahrhunderts geht es zum England des 20. Jahrhunderts: Benjamin Britten nimmt sich hier eines alten französischen Weihnachstliedes an. „La Noël Passée“ erzählt die Geschichte eines Waisenkindes, das unter dem Fenster des „guten Königs Heinrich“ (Heinrich IV - „lo nòstre bon rei Enric“) eine Weihnachtsweise singt und zum Dank dafür zwei goldene Écus bekommt, mit dem Auftrag, zum Jesuskind zu beten und ein gutes Wort für das „süße Frankreich“ und seinen König einzulegen.

Mit „Nous voici dans la ville“, einer Version der Herbergssuche, verbleiben wir in Frankreich. Im 17. Jahrhundert wahrscheinlich im Anjou entstanden, erfreut sich das Lied heute im gesamten frankophonen Raum einiger Beliebtheit - oft in verschiedenen textlichen Versionen. Am Ende findet sich aber immer eine „Hôtesse“, die das wandernde Paar sehr dauert und ein Plätzchen für die heilige Familie findet. Und so wird alles gut.

Alles wird gut. Diese frohe Botschaft liegt allen Werken auf diesem Album zugrunde, denn für die Gläubigen erfüllt sich mit der Geburt Jesu das Heilsversprechen. Der Morgenstern mit seinem Wunderlicht führt und leitet alle, die glauben wollen.

Dieses Licht des Wunders durchdringt auch das letzte Stück dieser Aufnahme. Von ihm scheint auch Dietrich Bonhoeffer sein Leben lang erfüllt und geleitet worden zu sein, dessen Glaube bis zuletzt unerschüttert blieb. Von den Nationalsozialisten seit 1943 inhaftiert, schrieb er am 19. Dezember 1944 im Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes an seine Verlobte Maria von Wedemeyer und fügte dem Brief „ein paar Verse, die mir in den letzten Abenden einfielen“, als „Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister“ an. In diesem Gedicht fasst er Zuversicht - trotz seiner ausweglosen Lage. Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

„Von Guten Mächten“ ist der wohl populärste Text Bonhoeffers, der aufgrund seiner Schlichtheit und Hoffnungsfülle die Herzen der Menschen berührt. Heute existieren über 70 Vertonungen dieses Textes. Eine der bekanntesten ist die Melodie von Otto Abel, die Einzug in viele Gesangsbücher weltweit gefunden hat. Bonhoeffer schickt in seinem Brief dem Gedicht folgende Worte voraus:
„Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit Organe ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen. So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du und die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: ‚zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken‘, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“

Persönliche Bemerkung

Noch ein Weihnachtsalbum. Braucht es das? Sicherlich nicht, aber das Schöne an Weihnachten ist, dass es voller kleiner und wundervoller Unnötigkeiten steckt, auf die wir uns das ganze Jahr freuen. Ich selbst habe einen festen Kanon an Weihnachtsliedern, die ich jedes Jahr höre – von den Fischerchören, über Karel Gott bis hin zu Brittens „A Ceremony of Carols“ und doch suche ich jedes Jahr auch nach neuen Liedern und Musiken, die mein Weihnachtsrepertoire erweitern. Und so gerne ich auch eine eigene Version von „Stille Nacht“ oder ähnlichen Klassikern aufgenommen hätte, habe ich mich doch dagegen entschieden und mich unbekannteren und nicht weniger schönen Stücken zugewandt, die ich gerne mit der Welt teilen möchte. Auch war mir der religiöse Bezug wichtig – denn so gerne ich Weihnachten mit allem erdenklichen Kitsch und wunderlichen Bräuchen feiere, so ist mir nie der Bezug zum Ursprung des Weihnachtsfestes und seiner Botschaft verloren gegangen - und so schön die Christbaumkugeln auch glitzern mögen, so sind sie dennoch Sinnbilder des Apfels, den Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gepflückt haben. Daher der teilweise recht ernsthafte Ton des Albums, der aber nie die Hoffnung verlieren soll, sondern im Gegenteil eine Innigkeit schafft - eine fast schon intime Zweisamkeit zwischen dem Einzelnen und dem Licht. In dieser Intimität liegt aber auch Verletzlichkeit. Und diese darf man auch hören.
Ich habe lange überlegt, ob ich die Texte Kleppers und Bonhoeffers mit ins Programm aufnehmen sollte, da sie einen durchaus fordern und weil ich vor beiden Texten eine sehr große Ehrfurcht hege. Es ist quasi unmöglich, ihnen in ihrer Gänze gerecht zu werden. Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, eine leise und persönliche Interpretation dieser Texte aufzunehmen. Aufgenommen in der Stille der Nacht, in der spärlich beleuchteten Kirche und - ehrlicherweise –
mit einem Kloß im Hals. Die Stimme bewegt sich irgendwo zwischen Flüstern und Singen und ist mehrmals kurz davor zu brechen. So etwas als Sänger zu veröffentlichen mag nicht klug sein, aber am Ende war es mir wichtiger, mit diesen großen Texten so umzugehen, wie ich es in diesem Moment gefühlt habe. Heute würde ich es vielleicht wieder anders singen – aber in genau diesem Moment war es der einzig mögliche Zugang für mich.

Generell sind Aufnahmen immer nur Momentaufnahmen. Und für mich sind spannende Aufnahmen oft nicht unbedingt perfekt, aber voller Leben. Und ich hoffe, es ist uns mit diesem Album gelungen, einen lebendigen Reigen an Advents- und Weihnachtsstücken zusammenzustellen.

Was uns definitiv gelungen ist, ist Imperfektion - oder euphemistisch „Authentizität“. Vor allem von meiner Seite. Bei Anreise mit fast 40 Grad Fieber, hatte ich eine Erkältung im Gepäck, die mich in ihren verschiedenen Stadien durch die ganz Aufnahmezeit begleitet hat. Hätte ich nicht so viele wundervolle Menschen zur Seite gehabt, die mich geduldig und inspirierend durch diese Aufnahme getragen haben, wüsste ich nicht, ob diese zu einem Abschluss gekommen wäre. Vieles war mit heißer Nadel gestrickt, und wir mussten sehr flexibel viele verschiedene Hindernisse umschiffen, wobei alle an einem Strang gezogen haben.

Dafür danke ich Euch, liebe Bernadette, Sabine, Philipp, Ildiko, Leopold, Anna, Felix, Kit, Patrick, Christian und Viktoria, die Ihr Euch geduldig und stets gut gelaunt auf dieses Abenteuer eingelassen habt. Trotz eigener Erkältungen und anderer Baustellen ist so eine kleine Hausmusik entstanden, die fast schon familiären Charakter hat. Besonders möchte ich auch unserem Tonmeister Jonas Niederstadt vom Label Carpe Diem danken, der in dieser kurzen und intensiven Aufnahmezeit das Unmögliche möglich gemacht hat und es verstanden hat, sogar das Festgeläut zur Wahl von Papst Leo XIV so mit in die Aufnahme zu integrieren, dass man es fast nicht bemerkt.

Des Weiteren möchte ich ganz herzlich dem Team der Evangelischen Gemeinde Tiergarten in Berlin danken, dass es uns nach bestem Wissen und Gewissen ermöglicht hat, in dem ganz besonderen Kirchenraum der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche aufzunehmen, allen voran Simon Gramß und Nikolas Kilkis.

Ein großer Dank gilt auch Dr. phil. Ralf Lützelschwab und Klaus Peter Grap für ihre Freundschaft und Unterstützung, sowie Frank Jaeger und Uta Barth.

Meinen lieben Kollegen und Freund Jamil Freij möchte ich ganz besonders hervorheben, der mich nicht nur mit „Miladuka“ bekannt gemacht hat, sondern trotz meiner nicht vorhandenen Arabisch-Kenntnisse unsere Version dieses wunderbaren Liedes abgesegnet hat und uns den einen oder anderen Schnitzer großzügig verziehen hat. شكرا جزيلا لك صديقي

Matthias von „Kleinanzeigen“ - Dir gebührt Heldenstatus, da Du uns mit der Spende Deiner Kaffeemaschine sprichwörtlich das Leben gerettet hast.

Jutta Berr-Resch und Mark Jost – ohne Euch gäbe es diese Aufnahme nicht. Dafür und für vieles mehr habt Ihr einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.

Und nicht zuletzt ein großes Dankeschön Ihnen allen, die Sie dieses Album erworben haben und uns zuhören – denn ohne Ihr offenes Ohr würden wir alle ins Leere musizieren. Frohe Weihnachten!

Richard Resch, Berlin-Regensburg 2025

Informationen zur Aufnahme

Recorded may 5–10, 2025

Location: Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, Berlin, Germany
Balance engineer & recording producer: Jonas Niederstadt
Booklet texts & translations: Richard Resch
Corporate Design: Tim+Tim, timandtim.com
Cover & Booklet photography: Nikolas Hagele

Presse / Rezensionen

Gramophone

„Die Nacht ist vorgedrungen“ von Richard Reschs Ensemble La Silla ist mein Lieblingskonzeptprogramm dieses Jahres und bietet eine mehrsprachige Mischung aus traditionellen, sakralen und saisonalen Nachtmotiven. Nehmen wir die ersten beiden Titel: eine Gänsehaut verursachende Adventshymne von Jochen Klepper aus dem Jahr 1937, Die Nacht ist vorgedrungen, die dann im Kontrast zu Maria durch ein Dornwald ging steht, arrangiert von Silvan Loher, das den Tod darstellt, eine Volksliedvertonung, die an Warlocks „Sleep“ erinnert. Resch ist am stärksten in zurückhaltenden, traurigen Liedern, zeigt aber auch eine fröhliche Seite in Franz Tunders „Wachet auf“, komplett mit festlichen Glockenspielen und überschwänglichem Streicherspiel." Gramophone Magazine, Dez. 2025